Handchir Mikrochir Plast Chir
DOI: 10.1055/a-1294-9895
Consensus Statement

Implementierung der Behandlung durch enzymatisches Debridement bei Verbrennungen – Ergebnisse eines interprofessionellen, deutschsprachigen Expertenworkshops

Implementation of treatment by enzymatic debridement in burns: results of an interprofessional German-speaking expert workshop
Benjamin Ziegler
1  Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Mikrochirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, BG Klinik Ludwigshafen, Universität Heidelberg
,
Cord Corterier
2  Klinik für Plastische und Handchirurgie und Brandverletztenzentrum, BG Klinikum Bergmannstrost Halle
,
Thomas Kremer
3  Klinik für Plastische und Handchirurgie mit Schwerbrandverletztenzentrum, Klinikum St. Georg, Leipzig
,
4  Klinische Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität Graz
,
Jan A. Plock
5  Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Universitätsspital Zürich
,
Sandy Richter
6  Klinik für Plastische Chirurgie, Rekonstruktive Chirurgie, Handchirurgie, Verbrennungschirurgie, München Klinik Bogenhausen, München
,
Frank Sander
7  Zentrum für Schwerbrandverletzte mit Plastischer Chirurgie, Unfallkrankenhaus Berlin
,
Jennifer L. Schiefer
8  Klinik für Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Krankenhaus Köln-Merheim, Universität Witten/Herdecke, Köln
,
Laura C. Siegwart
1  Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Mikrochirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, BG Klinik Ludwigshafen, Universität Heidelberg
,
Martin Stauder
1  Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Mikrochirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, BG Klinik Ludwigshafen, Universität Heidelberg
,
9  Universitätsklinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum
,
Dirk Wiechmann
5  Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Universitätsspital Zürich
,
1  Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Mikrochirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, BG Klinik Ludwigshafen, Universität Heidelberg
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Einleitung Das enzymatische Debridement (ED) auf Bromelain-Basis (Nexobrid®) wird seit seiner Markteinführung 2013 zunehmend in Verbrennungszentren eingesetzt. Die Literatur belegt die Effizienz der Escharentfernung sowie eine Überlegenheit im Vergleich zum Standard-of-Care in Bezug auf periprozeduralem Blutverlust und Notwendigkeit operativer Maßnahmen. Während ausreichende Erfahrung eine zuverlässige Anwendung ermöglicht, müssen zur Implementierung der Technik einige praktische und logistische Hürden überwunden werden, die weder in den Herstellerangaben noch in der verfügbaren Literatur ausreichend beschrieben sind.

Methode Ein multiprofessionelles Panel, bestehend aus erfahrenen Anwendern aus deutschsprachigen Brandverletztenzentren, wurde zu einem Expertenworkshop eingeladen. Vorab wurden mit den Teilnehmern Themenkomplexe aus den Bereichen Indikationsstellung, Definition von Behandlungspfaden, praktische Durchführung des enzymatischen Debridements, Nachbehandlung sowie Komplikationen abgestimmt, um diese im Rahmen des Expertenworkshops zu erörtern.

Ergebnisse Zu den vordefinierten Themenkomplexen wurden konkrete Handlungsempfehlungen im Expertenpanel erarbeitet und konsentiert. Zusammenfassende Kernaussagen wurden zusätzlich herausgestellt. Sie richten sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrenere Anwender und bieten Unterstützung, um möglichst optimale Ergebnisse durch ED zu erzielen. So entstanden unter anderem Hinweise für den Einsatz von ED über klassische Indikationen hinaus, unterschiedliche Behandlungspfade je nach Verbrennungstiefe und Verlauf des ED mit jeweils angepasster Nachbehandlung, Management von Therapieversagen sowie Empfehlungen hinsichtlich infrastruktureller Rahmenbedingungen zur Implementierung von ED.

Diskussion Obwohl die Wirksamkeit von ED durch die vorhandene Literatur belegt und eine Überlegenheit hinsichtlich mehrerer Aspekte der Behandlung von Verbrennungswunden gezeigt werden konnte, sind bislang nur wenige anwenderorientierte Empfehlungen zur praktischen Implementierung von ED verfügbar. Wenngleich die hier publizierten Handlungsempfehlungen und Expertenaussagen nur zum Teil durch Evidenz aus eindeutigen Studien zu untermauern sind, basieren sie dennoch auf der gebündelten Erfahrung des Expertenpanels, die die Anzahl der bisher publizierten Fälle um ein Vielfaches übertrifft und dadurch erlaubt, wertvolle Unterstützung bei der erfolgreichen Implementierung der Technik bereitzustellen.

Abstract

Introduction Since its introduction in 2013 Bromelain-based Enzymatic Debridement (ED) is increasingly used in burn centers. Published evidence shows its efficiency in eschar removal as well as a superiority in blood loss and necessity of further surgical procedures compared to standard-of-care. While the procedure is safe and shows reliable results in experienced hands, some practical and logistical issues must be challenged that are not described sufficiently in available literature.

Method A multi-professional panel, consisting of experienced users of ED from German-speaking burn units has been invited to an expert workshop. Topics concerning indication, definition of treatment pathways, practical issues, post-treatment and handling of complications have been coordinated in advance to allow discussion during the workshop.

Results To each topic practical recommendations were developed and consented. Summarizing key messages have been additionally highlighted. They aim on helping to achieve optimal results after establishing the technique by new users as well as optimizing results by experienced users. Amongst others, the resulting recommendations deal with indications for ED beyond the classic domain, different treatment pathways depending on burn depth and primary result after ED with adapted post-treatment, management of treatment failure and implementation of infrastructural conditions.

Discussion While efficiency of ED as well as superiority in some aspects of treatment of burn wounds could be shown in available literature, user-oriented recommendations for practical implementation are scarce. Although the recommendations and experts opinions published here are only partly evidenced based, they are still based on the pooled experienced of the panelists that easily outnumbers the cases published in literature so far and allow valuable support for a successful implementation of the technique.



Publication History

Received: 27 September 2020

Accepted: 13 October 2020

Publication Date:
17 November 2020 (online)

Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany