AkupunkturPraxis 2020; 01(01): 55-57
DOI: 10.1055/a-1307-2111
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Akupunktur bei Patienten mit strahleninduzierter Xerostomie

Taras Usichenko

Garcia MK, Meng Z, Rosenthal DI et al. Effect of True and Sham Acupuncture on Radiation-Induced Xerostomia Among Patients With Head and Neck Cancer: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open 2019; 2: e1916910

Hintergrund: Eine strahleninduzierte Xerostomie (XS) ist eine häufige Nebenwirkung der Strahlentherapie bei Patienten mit Kopf- und Halskrebs, welche die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigt. Die Effektivität moderner Therapien ist nicht ausreichend. Ziel dieser Studie war es festzustellen, ob Akupunktur die Entwicklung einer XS bei Patienten mit Kopf- und Halskrebs, die sich einer Strahlentherapie unterziehen, beeinflussen kann.

Methoden: In dieser randomisierten klinischen Phase-3-Studie wurden Patienten mit oro- oder nasopharyngealem Karzinom, die sich einer Strahlentherapie in 2 Krebszentren in den USA und in China unterzogen haben, mit der Standardtherapie (ST), mit Akupunktur (A) und Plazeboakupunktur (PA) behandelt. Während einer 6–7-wöchigen Strahlentherapie wurde entweder mit A oder PA mit einer validierten Akupunktur-Plazebonadel 3 x pro Woche behandelt. Der primäre Endpunkt war ein XS-Score von 0–100, berechnet gemäß eines validierten XS-Fragebogens, wobei ein höherer Wert einen schlechteren XS-Score 1 Jahr nach Ende der Strahlentherapie bedeuten würde. Zu den sekundären Ergebnissen gehörten die Inzidenz klinisch signifikanter Xerostomie (XS-Score > 30), der Speichelfluss, die Lebensqualität, die Speichelbestandteile und die Rolle der Grunderwartung im Zusammenhang mit der Akupunktur.

Ergebnisse: Von 399 randomisierten Patienten wurden 339 in die endgültige Analyse einbezogen (Mittelwert [SD] Alter 51,3 [11,7] Jahre; Altersgruppe 21–79 Jahre; 258 [77,6 %] Männer), darunter 112 Patienten in der A-Gruppe, 115 Patienten in der PA-Gruppe und 112 Patienten in der ST-Gruppe. Für das primäre Ziel war der XS-Score des angepassten Mittelwerts (SD) in der A-Gruppe (26,6 [17,7]) signifikant niedriger als in der ST-Gruppe (34,8 [18,7]) (p = 0,001; Effektgröße = –0,44) und geringfügig niedriger, aber statistisch nicht signifikant unterschiedlich von der PA-Gruppe (31,3 [18,6]) (p = 0,06; Effektgröße = –0,26) [Abb. 2]. Die Inzidenz einer klinisch signifikanten Xerostomie 1 Jahr nach Ende der Strahlentherapie wiederholte dieses Muster: 38 Patienten in der TA-Gruppe (34,6 %), 54 Patienten in der SA-Gruppe (47,8 %) und 60 Patienten in der SCC-Gruppe (55,1 %) entwickelten eine klinisch relevante Xerostomie (p = 0,009). Post-hoc-Vergleiche ergaben einen signifikanten Unterschied zwischen der A- und der ST-Gruppe an beiden Institutionen. Ein signifikanter Unterschied zwischen A und PA wurde nur am Krebszentrum der Fudan-Universität in China beobachtet: mittlere Differenz von A vs. ST –9,9 [2,5] (p < 0,001), PA vs. ST –1,7 [2],[5] (p = 0,50) und A vs. PA –8,2 [2],[5] (p = 0,001). An der Universität von Texas unterschied sich PA signifikant nur von ST: mittlere Differenz A vs. ST –8,1 [3],[4] (p = 0,016), PA gegen ST – 10,5 [3],[3] (p = 0,002) und A vs. PA 2,4 [3],[2] (p = 0,45) [Abb. 2].

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Abb. 2 Schwere der Xerostomie (XS-Score) im Verlauf der Behandlung: gesamt (a), an der Fudan-Universtiät in China (b) und am Anderson Cancer Center in den USA (c). (Quelle: [1])

Schlussfolgerung: Diese randomisierte klinische Studie ergab, dass Akupunktur zu einer reduzierten Inzidenz und weniger schweren XS-Symptomatik im Vergleich zur Standardtherapie 1 Jahr nach Strahlentherapie führt. Allerdings sind weitere Studien notwendig, um die klinische Relevanz zu klären und die Generalisierbarkeit dieses Befunds zu bestätigen sowie die Unterschiede als Reaktion auf die Plazeboakupunktur zwischen Patienten in den USA und China zu klären.



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Publication Date:
21 November 2020 (online)

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