Rofo 2021; 193(05): 537-543
DOI: 10.1055/a-1393-6668
Health Policy and Evidence Based Medicine

Risiko radiologischer Mitarbeiter für eine COVID-19-Infektion in einer Hoch- und Niedrigrisikoregion in Deutschland: Lehren aus der „ersten Welle“

Article in several languages: English | deutsch
Thomas Finkenzeller
1  Department of Radiology and Neuroradiology, Hospital Weiden, Germany
,
Stephan Lenhart
1  Department of Radiology and Neuroradiology, Hospital Weiden, Germany
,
Mark Reinwald
2  Department of Hematology and Oncology, Brandenburg Medical School Theodor Fontane, Brandenburg a. d. Havel, Germany
,
Stefan Lüth
3  Clinic for Gastroenterology, Diabetology & Hepatology, Brandenburg Medical School Theodor Fontane, Brandenburg a. d. Havel, Germany
,
Lena Marie Dendl
4  Department of Radiology, Brandenburg Medical School Theodor Fontane, Treuenbrietzen, Germany, Department of Radiology, Johanniter Specialty Clinic Treuenbrietzen, Treuenbrietzen, Germany
8  Institute for Diagnostic and Interventional Radiology, Brandenburg Medical School Theodor Fontane, Brandenburg a. d. Havel, Germany
,
Christian Paetzel
1  Department of Radiology and Neuroradiology, Hospital Weiden, Germany
,
5  Institute for Information Engineering, Ostfalia University of Applied Sciences, Wolfenbüttel, Germany
,
Frank Klawonn
6  Biostatistics, Helmholtz Centre for Infection Research, Braunschweig, Germany
,
Alexander Von Meyer
7  Institute for Laboratory Medicine, Medical Microbiology and Technical Hygienics, Munich Municipal Hospital Group, München, Germany
,
Andreas G. Schreyer
8  Institute for Diagnostic and Interventional Radiology, Brandenburg Medical School Theodor Fontane, Brandenburg a. d. Havel, Germany
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Ziel Durch die aktuelle COVID-19-Pandemie kommt es stellenweise zu einer Überlastung des Gesundheitssystems. Analog zu den Mitarbeitern im Gesundheitswesen (Healthcare workers, HCW) auf Intensiv- oder COVID-Stationen ist auch das Personal in der Radiologie durch häufigen direkten Kontakt mit infektiösen Patienten einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Ziel unserer Arbeit war es, an 2 Klinikstandorten in Deutschland mit jeweils hoher bzw. geringer Prävalenz von COVID-19 in der Bevölkerung die Seroprävalenz von IgG-Antikörpern (AK) gegen SARS-CoV-2 bei radiologischem Personal zu evaluieren und in Bezug zum übrigen Klinikpersonal zu setzen. Zusätzlich sollten die Anzahl verschiedener radiologischer Untersuchungen der COVID-19-positiven Patienten (C+) ausgewertet werden und ein Überblick über das Risiko einer berufsbedingten Infektion des radiologischen Personals mit COVID-19 erfolgen.

Material und Methoden Die Auswertung erfolgte nach der ersten Welle der COVID-19-Pandemie zwischen März und Juli 2020 in einer Region mit einer der höchsten Prävalenzen (776–1570/100 000) in Deutschland (Klinikum A). Zusätzlich wurde das Klinikum B in einem Gebiet mit niedriger Prävalenz (65/100 000) evaluiert. An beiden Kliniken wurde die IgG-Seroprävalenz des gesamten Personals bestimmt und eine Subgruppenanalyse der Radiologie der beiden Standorte vorgenommen. Die Anzahl der mittels PCR gesicherten COVID-19-Patienten sowie deren radiologische Untersuchungen wurde erfasst.

Ergebnisse Am Klinikum A waren nach insgesamt 2723 radiologischen Patientenkontakten bei 594 C+-Patienten 24 % (n = 6) der medizinisch-technischen Mitarbeiter und 13,3 % (n = 2) des ärztlichen Personals der Radiologie IgG-positiv. Dies entsprach den Positivraten der HCW auf COVID- bzw. Intensivstationen des Klinikums. Am häufigsten wurden bei C+-Patienten konventionelle Thoraxaufnahmen (3,17/Patient) und CT-Untersuchungen(1,15/Patient) durchgeführt. Am Klinikum B mit 50 C+-Patienten und 64 Gesamtkontakten lag bei keinem Mitarbeiter der Radiologie ein positiver Antikörpertest vor. Am häufigsten wurden ebenfalls konventionelle Thorax- (1,04/Patient) und CT-Untersuchungen (0,2/Patient) durchgeführt.

Schlussfolgerung Mitarbeiter der Radiologie haben ein ähnlich hohes Risiko, sich mit COVID-19 zu infizieren, wie Mitarbeiter auf COVID- bzw. Intensivstationen.

Kernaussagen:

  • Das Risiko einer COVID-19-Erkrankung steigt mit der Anzahl der Kontakte zu Infizierten.

  • Radiologisches Personal hat ein ähnlich hohes Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion wie Pflegekräfte und Ärzte auf COVID-Stationen.

  • Hygienekonzepte und Ressourcen müssen für weitere Infektionswellen angepasst werden.

  • Bei seropositiven Mitarbeitern kann ggf. eine Meldung als berufsbedingte Erkrankung erwogen werden.

Zitierweise

  • Finkenzeller T, Lenhart S, Reinwald M et al. Risk to Radiology Staff for Occupational COVID-19 Infection in a High-Risk and a Low-Risk Region in Germany: Lessons from the „First Wave“. Fortschr Röntgenstr 2021; 193: 537 – 543



Publication History

Received: 30 November 2020

Accepted: 09 February 2021

Publication Date:
10 March 2021 (online)

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