Notaufnahme up2date 2022; 04(01): 81-97
DOI: 10.1055/a-1417-7216
Spezifische Aspekte in der Notaufnahme

Notfallnarkose und Atemwegsmanagement in der Notaufnahme

Christian Byhahn
1   Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Universitätsmedizin Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
,
Martin Bergold
2   Anästhesiol., Intensivmed. u. Schmerzth., Evangelisches Krankenhaus Oldenburg, Oldenburg
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Die Narkoseeinleitung und das Atemwegsmanagement in der Notaufnahme erfolgen häufig an kritisch kranken Patienten und nicht immer unter optimalen Bedingungen. Zudem sind die Notfallnarkose und das Atemwegsmanagement zeitkritische Maßnahmen, für die nur wenige Minuten verbleiben, bevor der Patient mitunter dauerhaft geschädigt wird.

Kernaussagen
  • Die Einleitung bzw. auch Durchführung (= z.B. Übernahme eines narkotisierten/beatmeten Patienten vom Rettungsdienst) einer Notfallnarkose und Atemwegssicherung in der Notaufnahme erfordert eine Weiterbildung und Qualifikation. Maßnahmen sollten dem anästhesiologischen Facharztstandard entsprechen.

  • Da Patienten in der Notaufnahme prinzipiell zunächst als nicht nüchtern anzusehen sind, folgt die Narkoseeinleitung dem Prinzip der „Rapid Sequence Induction“.

  • Die Technik der ersten Wahl zur Atemwegssicherung ist die endotracheale Intubation.

  • Im Rahmen der Intubation soll die Laryngoskopie primär mithilfe eines Videolaryngoskops mit Macintosh-ähnlichem Spatel erfolgen, um einen größtmöglichen Intubationserfolg beim ersten Versuch zu erzielen.

  • Bereits nach dem ersten misslungenen Intubationsversuch soll Hilfe angefordert werden.

  • Nach maximal 2 Intubationsversuchen soll ein supraglottischer Atemweg (Larynxmaske oder Larynxtubus) der zweiten Generation, also mit der Möglichkeit der gastrischen Drainage, verwendet werden.

  • Eine „cannot intubate, cannot oxygenate“-Situation sollte rechtzeitig erkannt, im Team kommuniziert und frühzeitig mithilfe der Etablierung eines chirurgischen Atemwegs (Koniotomie) möglichst beseitigt werden.

  • Zur Verifizierung der trachealen Lage eines künstlichen Atemwegs ist die Kapnografie obligat und muss unmittelbar zur Verfügung stehen.



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Publication Date:
14 January 2022 (online)

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