AkupunkturPraxis 2022; 3(02): 120-121
DOI: 10.1055/a-1758-8309
Journal Club

Transkutane elektrische Akupunkturpunktstimulation zur Beschleunigung postoperativer Erholung bei Patientinnen nach Kaiserschnittoperation

Contributor(s):
Taras Usichenko

Zielsetzung Ziel war die Untersuchung der Wirkungen und Mechanismen der transkutanen elektrischen Akupunkturpunktstimulation (TEAS) im Hinblick auf die postoperative Erholung der Darmfunktion bei Patientinnen nach einem Kaiserschnitt.

Methoden Es wurden insgesamt 108 Frauen, die sich einem Kaiserschnitt unterzogen hatten, in 2 Gruppen per Zufallsprinzip aufgeteilt: eine Gruppe (n = 54) erhielt bilaterale TEA am Akupunkturpunkt Ma 36 4 Stunden nach dem Kaiserschnitt und dann 2 × täglich an den 3 darauffolgenden Tagen. Eine TEAS-Sitzung dauerte 1 Stunde, stimuliert wurde mit 25 Hz und Impulsbreite 0,5 Sekunden, die Stimulationsintensität wurde knapp unter der Schmerzgrenze individuell angepasst. Die andere Gruppe wurde mit Schein-TEA behandelt und erhielt die gleiche Stimulation, wobei lediglich die Elektroden an einem Nichtakupunkturpunkt am Unterschenkel der Patientinnen angebracht wurden. Das Zeitintervall zwischen dem Kaiserschnitt und dem 1. Stuhlgang war der primäre Endpunkt dieser Studie. Diverse klinische Symptome, welche die Erholung der Peristaltik beschreiben, wie auch postoperative Schmerzen sowie TNF-α und Interleukin- 6 wurden als Sekundärparameter der Studie aufgezeichnet. Um die motorische Funktion des Magens und die Beteiligung des autonomen Nervensystems objektiv zu beurteilen, wurden entsprechend ein Elektrogastrogramm (EGG) und ein Elektrokardiogramm (EKG) direkt vor der TEAS- bzw. Sham-Stimulation am Operationstag sowie am Morgen des 4. postoperativen Tags für 30 Minuten aufgezeichnet.

Ergebnisse TEAS verbesserte die postoperative Erholung, die mit einer niedrigeren gastrointestinalen Motilität assoziiert war. Die Zeit bis zu den ersten Blähungen und der 1. Defäkation waren signifikant verkürzt (P < 0,01), die Anzahl der peristaltischen Darmbewegungen sowie der Bristol-Stuhlscore sind im Vergleich zu Sham-TEAS angestiegen (P < 0,001). TEAS reduzierte die mit der Motilität des oberen Gastrointestinaltrakts verbundenen Symptome: Im Verlauf der Untersuchung vom 1. bis zum 3. Tag nach der Operation wurden die Zeit zur Wiederaufnahme der flüssigen Nahrung verkürzt (P = 0,008) sowie der Gesamtscore von Appetitlosigkeit (P = 0,003) und das Aufstoßen (P = 0,038) reduziert. Außerdem erhöhte die TEAS, nicht jedoch die Sham- TEAS, die Anzahl physiologischer „Slow- Waves“ des Magens am 4. postoperativen Tag im Vergleich mit der Baseline-Messung. Die TEAS reduzierte den Schmerzscore, gemessen mittels der visuellen Analogskala (VAS) im Verlauf vom 1. bis zum 3. postoperativen Tag (P < 0,001). Ferner erhöhte die TEAS, aber nicht die Sham-TEAS, die vagale Aktivität (P = 0,013) und verringerte die sympathische Aktivität (P = 0,013) am 4. postoperativen Tag im Vergleich mit der Baseline-Messung am Operationstag. Der Einsatz der TEAS und eine kürzere Operationsdauer erwiesen sich als unabhängige Prädiktoren für eine verkürzte Zeit bis zum 1. Stuhlgang.

Schlussfolgerung Die nicht invasive TEAS am Akupunkturpunkt Ma 36 verbessert die Symptomatik des unteren und des oberen Gastrointestinaltrakts nach Kaiserschnitt durch Verstärkung der vagalen und Hemmung der sympathischen Aktivität.



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Article published online:
16 May 2022

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