PSYCH up2date 2024; 18(02): 113-132
DOI: 10.1055/a-2171-4751
Organische psychische Störungen

Verhaltensstörungen oder psychologische Symptome bei Demenz

Nichtmedikamentöse und medikamentöse Handlungsansätze
Michael Hüll

Bei Demenzerkrankungen treten Verhaltenssymptome oft früh und mit zunehmender Demenzschwere häufiger auf. Nichtmedikamentöse Maßnahmen zu deren Vermeidung und Reduzierung umfassen die Anpassungen von Ablaufplanungen sowie die Schulung von Angehörigen und Pflegekräften. Diese Maßnahmen sind langfristig zu etablieren. Demgegenüber zweitrangig sind der Einsatz von Antipsychotika, die bei psychotischen Symptomen in Kombination mit Aggression und Agitation aber oft zur Gefahrenabwehr benötigt werden.

Kernaussagen
  • Verhaltensstörungen können schon früh im Krankheitsverlauf einer Demenzerkrankung auftreten. Die Gedächtnisleistung muss dann gezielt untersucht werden.

  • Insbesondere Apathie findet sich früh bei einer Demenz im Sinne eines Mild Behavioral Impairement (MBI). Sie darf nicht mit einer depressiven Antriebsstörung verwechselt werden.

  • Eine Aufmerksamkeitsstörung bei leichter Demenz weist auf ein Delir als mögliche Ursache der Verhaltensstörungen hin. Somatische Auslöser für ein Delir müssen dann gesucht werden.

  • Umgangsprinzipien einer Verstehenden Diagnostik oder personenzentrierten Pflege helfen bei der Vermeidung von Verhaltensstörungen. In Kliniken und Heimen sollten diese geschult werden.

  • Nichtmedikamentöse Vorgehensweisen sind gegenüber Medikamenten als erste Maßnahmen zu bevorzugen. Jeder Medikamenteneinsatz birgt Risiken. Zu einer nichtmedikamentösen Behandlung psychotischer Symptome bei Demenz gibt es derzeit keine evidenzbasierten Empfehlungen.

  • Bei ausgeprägter Agitation und Aggressivität können niedrigdosiert die hochpotenten Antipsychotika Risperidon oder Haloperidol zum Einsatz kommen. Clozapin wird bei der Parkinson-Demenz empfohlen.

  • Die Behandlungsnotwendigkeit mit Antipsychotika sollte fortlaufend hinterfragt werden.

  • Ausschleichversuche von hochpotenten Antipsychotika sollten wiederholt versucht werden.

  • Zur Behandlung depressiver Symptome bei Demenz sind insbesondere Bewegungsangebote in Gruppen wirksam.

  • Als Antidepressiva haben Sertralin und Mirtazapin das beste Nutzen/Risikoverhältnis bei Demenz. Hyponatriämien können aber auftreten. Gegen eine Apathie im Rahmen einer Demenzerkrankung helfen Antidepressiva nicht.



Publication History

Article published online:
28 March 2024

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