Fortschr Röntgenstr 2008; 180(10): 870
DOI: 10.1055/s-0028-1085554
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Fetale Neuroradiologie - Deutliche Diskrepanzen bei verschiedenen Untersuchern

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Publication Date:
02 October 2008 (online)

 

Gerade im Bereich der pränatalen Bildgebung des Zentralnervensystems gibt es wenig Literatur darüber, wie sich die Befunde einzelner Untersucher unterscheiden und wie hoch die Diskrepanz ihrer Ergebnisse ist. D. Levine et al. gingen nun dieser Frage nach. Radiology 2008; 247: 517–527

Eingang in die Studie fanden 195 Schwangere im Durchschnittsalter von 31 Jahren, bei deren insgesamt 199 Feten der Verdacht auf eine Vergrößerung der Gehirnventrikel bestand. Zur Bildgebung dienten sowohl Ultraschall als auch Magnetresonanztomografie (MRT). Drei geburtshilfliche Radiologen beurteilten die Ultraschalluntersuchungen, 1 geburtshilflicher und 3 neuropädiatrische Radiologen die MRT-Aufnahmen. Es wurde versucht, eine endgültige Diagnose durch Übereinstimmung zu erreichen. Dafür standen letztlich 198 Ultraschall-, 198 MRT-Untersuchungen und 196 Vergleichspaare aus beiden zur Verfügung. Die Autoren analysierten in der Folge die Übereinstimmungen und Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Untersuchern. In die Analyse flossen Gestationsalter, Ventrikelgröße sowie Arten und Gründe der Diskrepanzen ein.

Die Untersucher stimmten in 118 von 198 Ultraschalluntersuchungen (60 %) mit ihren Befunden überein, gleiches galt für 104 von 198 MRT-Untersuchungen (53 %). Eine Übereinstimmung war wahrscheinlicher, wenn die Enddiagnose eine isolierte Ventrikulomegalie war (83 von 104 bzw. 80 % beim Ultraschall und 82 von 109 bzw. 75 % beim MRT). Schloss die endgültige Diagnose weitere Fehlbildungen ein, war die Übereinstimung schlechter (14 von 63 bzw. 22 % beim Ultraschall und 7 von 68 bzw. 10 % beim MRT). Bei 19 von 196 Feten (10 %, Ultraschall) bzw. 31 von 196 (16 %; MRT) gab es Diskrepanzen, ob eine Ventrikulomegalie überhaupt vorhanden war, was ebenso bei 29 von 198 Feten (15 %, Ultraschall) bzw. 39 von 198 (20 %) für die Hauptbefunde in den Untersuchungen galt. Gründe für die Diskrepanzen beinhalteten Beobachtungsfehler, Fehlen von Real-time-Ultraschall, Fehlen neurologischer Erfahrung oder Unterschiede in den Algorithmen, Anomalien aufzudecken.