Fortschr Röntgenstr 2008; 180(10): 876
DOI: 10.1055/s-0028-1085561
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CT-Urografie - Verbessern Diuretika die Darstellung des oberen Harntrakts?

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Publication Date:
02 October 2008 (online)

 

Wenngleich die computertomografische Darstellung der oberen Harnwege (MDCTU; Multiphasen-CT-Urografie) die klassische Urografie zunehmend verdrängt, sind laut C. Roy et al. bei etwa einem Viertel der Patienten Nierenbeckenkelchsystem und Ureter nur unbefriedigend darstellbar. Die französische Arbeitsgruppe überprüfte, ob sich diese Strukturen nach Furosemid-Injektion besser abbilden lassen. Eur J Radiol 2008; 66: 253–266

Um die Bildwiedergabe der MDCTU zu verbessern, wurden verschiedene Manöver ausprobiert: Änderungen der Patientenposition, abdominelle Kompression, orale oder intravenöse Hydratisierung, verschiedene Kontrastmitteldosen oder die Gabe von Diuretika. Letztere sollen über einen Verdünnungseffekt des Kontrastmittels eine optimale Darstellung sowohl des Nierenbeckenkelchsystems als auch des Ureters ermöglichen. C. Roy et al. injizierten 100 Patienten mit urologischen Problemen (z.B. Hämaturie, Blasentumoren) 10 min vor der MDCTU 20 mg Furosemid. Kontrollen waren 100 Patienten mit nicht urologischer CT-Indikation, die kein Diuretikum erhielten. Zwei erfahrene Radiologen verglichen unverstärkte und mit Furosemid verstärkte Kontrastmittelaufnahmen (nach 39, 100 und 360 s).

Alle Patienten vertrugen die Furosemid-Injektion komplikationslos. Die Applikation führte zu keiner wesentlichen Verlängerung der Untersuchungszeit. In der kortikomedullären und nephrografischen Phase bildeten sich die Nierenkelche bei 95 % der Patienten mit Diuretikum vollständig ab im Vergleich zu 12 % der Kontrollgruppe. In der exkretorischen Phase stellte sich der Ureter in 96 % der Fälle komplett dar (ohne Furosemid 13 %). Seine Durchmesser unterschieden sich ebenfalls in gravierendem Umfang und betrugen unverstärkt und exkretorisch in der Furosemid-Gruppe durchschnittlich 4,0 bzw. 5,2 mm und bei den Kontrollpatienten 1,9 bzw. 3,8 mm. Das Urothel war als dünne Schleimhautschicht mit Kontrastmittelanreicherung nur bei einem Teil der Patienten ohne Diuretikum, aber bei fast allen der Furosemid-Gruppe erkennbar. Streifige Artefakte im Nierenparenchym kamen hier nicht, aber bei 89 % der Gruppe ohne Diuretikum vor.

Maximum-Intensitäts-Projektion (MIP) aus dem urografischen CT-Datensatz (a), nachverarbeitete MIP in Weichteilfenstereinstellung (b), nachverarbeitete MIP in Knochenfenstereinstellung (c) (Bild: Nolte-Ernsting C. Radiologie up2date 2004: 151–176).