Inf Orthod Kieferorthop 2009; 41(1): 43-50
DOI: 10.1055/s-0028-1098832
Übersichtsartikel

© Georg Thieme Verlag Stuttgart ˙ New York

Medikamentöse Nebenwirkungen und Kieferorthopädie

Side Effects of Drugs in OrthodonticsE. Bekto1 , F.  Weiland1 , A. P. Muchitsch1 , M. Pichelmayer1
  • 1Klinische Abteilung für Kieferorthopädie, Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Medizinische Universität Graz, Österreich
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Publication Date:
17 March 2009 (online)

Zusammenfassung

Untersuchungen und Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass medikamentöse Nebenwirkungen in der Kieferorthopädie eine immer größere Rolle spielen. Das Ziel dieser Arbeit war es, anhand wissenschaftlicher Studien und Untersuchungen eine kurze Zusammenfassung zu erstellen über pharmakologische Substanzen und Medi­kamente, aber auch körpereigene Stoffe, die auf die kieferorthopädische Zahnbewegung Einfluss haben können. Sie verursachen Veränderungen, die sich auf Alveolarknochen, Desmodont und den Zahn selbst auswirken. Es werden Stoffe und Substanzen erläutert, wie z. B. Wachstumshormone, Somatomedine, Vitamin D3, Kalzitonin, Östrogene, Androgene, Insulin, Glukagon, Bis­phos­phonate und NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), die durch pathologische Prozesse im Körper und als synthetische, zugeführte Mit­tel die kieferorthopädische Zahnbewegung ver­langsamen, behindern oder stoppen können. Im Gegen­satz dazu gibt es aber auch Substanzen, welche die kieferorthopädische Zahnbewegung zu fördern scheinen und ihre Geschwindigkeit zu erhöhen vermögen. Dazu zählen Kortikosteroide, Schilddrüsenhormone, das Eicosanoid-System, vor allem Prostaglandine und Leukotriene oder das Parathormon. Zur besseren Übersicht und einfacheren Handhabung wurden sowohl die Freinamen als auch die Handelsnamen gängigster Medikamente und Substanzen tabellarisch auf­gelistet. Die Tatsache, dass Medikamente und ­sowohl künstliche als auch natürliche Substanzen so weitreichende Nebenwirkungen haben können, soll als Auftrag einer genauen allgemein­medizinischen Anamnese verstanden werden. ­Exakte Medikamentenauflistungen müssen ein wichtiger Bestandteil der Patientengeschichte werden, um die kieferorthopädische Therapie dem Patienten individuell anpassen zu können.

Abstract

A number of studies have shown that drugs and systemic factors may have effects on the alveolar bone, the desmodont and the tooth itself. These substances can decrease the rate of bone resorp­tion, which is considered to be the most important factor to enable orthodontic tooth movement. Growth hormone, IGF-I, IGF-II, vitamin-D3, calcitonin, oestrogens, androgens, insulin, glu­cagon, bisphosphonats and NSAID (nonsteroidal anti-inflammatory drugs) seem to decrease the rate of bone resorption and consequently inhibit orthodontic tooth movement. On the other hand, there are other drugs and factors, such as corticosteroids, thyroid hormones, prostaglandins, leukotrienes or parathormone, which appear to stimulate bone resorption, increase the ­velocity of tooth movement and shorten orthodontic treatment time. For a better overview, ­tables with nonproprietary names, together with the most common registered names of men­tioned substances are presented. Special atten­tion should be paid to the exact anamnesis in ­order to avoid the side effects and to provide individual optimum treatment to the orthodontic ­patients.