Dtsch med Wochenschr 2009; 134(3): 83-86
DOI: 10.1055/s-0028-1105894
Aktuelle Diagnostik & Therapie | Review article
Endokrinologie, Geburtshilfe
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft

Thyroid disorders during pregnancyR. Gärtner1
  • 1Medizinische Klinik Innenstadt der Universität München
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Publication History

eingereicht: 30.7.2008

akzeptiert: 30.9.2008

Publication Date:
13 January 2009 (online)

Zusammenfassung

Vor und während der Schwangerschaft kann eine Schilddrüsenfunktionstörung der Mutter den normalen Verlauf der Schwangerschaft und die normale Entwicklung des Feten beeinflussen. In der Schwangerschaft steigt der Bedarf der Mutter an Schilddrüsenhormon und damit auch an Jod um etwa 30 – 50 % an. Dies setzt voraus, dass die Funktion der Schilddrüse gesteigert werden kann.

In Deutschland hat sich die Jodversorgung in den letzten 20 Jahren zwar gebessert, ist aber für den erhöhten Bedarf der Schwangeren immer noch nicht ausreichend. Eine Jodidsubstitution mit 100 – 150 µg Jodid pro Tag wird daher bei Schwangeren immer noch empfohlen, insbesondere um geistige Entwicklungsstörungen des Feten zu vermeiden.

Nicht nur Frauen mit einer subklinischen Hypothyreose bei Autoimmunthyreoiditis, sondern auch euthyreote Frauen mit nur erhöhten TPO-Autoantikörpern haben sowohl ein 2 – 3-fach erhöhtes Risiko eines Frühabortes als auch einer Frühgeburt. Eine möglichst frühzeitige Substitution mit Levothyroxin kann diese Risiken signifikant reduzieren, wie in neueren Studien belegt. Auch entwickeln diese Frauen häufiger eine postpartale Exazerbation der Autoimmunthyreoiditis, die möglicherweise durch eine Selensubstitution verhindert werden kann. Immunogen bedingte Hyperthyreosen sind in der Schwangerschaft selten (0,1 – 0,4 %). Der Verlauf wird meist durch die Schwangerschaft gemildert; in der Regel kommt es aber postpartal zu einer Exazerbation der Immunthyreopathie. Eine manifeste Hyperthyreose muss thyreostatisch behandelt werden, bevorzugt mit Propylthiouracil. Die TSH-Rezeptor Antikörpern werden auf den Feten übertragen, daher können diese auch eine immunogene Hyperthyreose entwickeln. Transient verlaufende subklinische Hyperthyreosen (Schwangerschaftshyperthyreosen) in der Frühschwangerschaft sind meist HCG-vermittelt, gehen mit einer Hyperemesis gravidarum einher und es kommt meist ohne Therapie nach Abfall des HCG im Beginn der 2. Trimenon zu einer spontanen Remission. Eine manifeste Hypothyreose verhindert meist eine Schwangerschaft, während subklinische Hypothyreosen häufiger sind. Eine möglichst frühzeitige Substitution mit Levothyroxin kann die sonst drohende Entwicklungsstörung des Kindes und eine Frühgeburt verhindern. Eine Postpartum-Thyreoiditis mit transienter, meist mild verlaufender Hypo- oder Hyperthyreose tritt bei etwa 5 % aller Frauen nach der Entbindung auf. Diese haben meist einen milden Verlauf, sollten aber beachtet und gegebenenfalls kurzfristig therapiert werden.

Summary

Thyroid disorders may not only be the cause infertility but also increases the incidence of miscarriages and the morbidity of the pregnancies. During pregnancy the demand of thyroid hormones increases to about 30 – 50 % and the thyroid has to cope with this increase. In Germany the iodine intake has improved significantly during the last 20 years, but still is borderline low with an mean intake of about 120 µg iodide per day. Therefore it is still recommended that pregnant women are supplemented with about 100 – 150 µg of iodide during pregnancy and the time of breast-feeding, to avoid hypothyroidism of the foetus with concomitant delay of the brain development. Not only women with subclinical hypothyroidism, but only elevated TPO antibodies have a significant increase in early miscarriage and preterm delivery. An early supplementation with Levothyroxin despite euthyroidism might reduce these risks. Those women also more frequently develop postpartum thyroiditis. This risk can be reduced by a supplementation with selenium during and after pregnancy. Graves’ disease is a rare disorder and only about 0,1 – 0,4 pregnancies are affected. The course of the disease is biphasic, with an exacerbation within the first trimester and an improvement thereafter, but a recurrence after delivery. Overt thyrotoxicosis has to be treated with propylthiouracil, to maintain euthyroidism during pregnancy. The TSH receptor antibodies are transferred to the foetus with the risk of thyrotoxicosis. Special care of the foetus is therefore necessary. Transient mild hyperthyroidism may occur in women with very high HCG levels during the first three months of pregnancy. This often is associated with hyperemesis gravidarum. Subclinical hypothyroidism of the mother will disturb the normal development of the foetus and therefore has to be treated even when TSH is within the upper normal level. Special care is necessary in women with elevated TPO antibodies, because these more often develop postpartum thyroiditis.

Literatur

Prof. Dr. med. Roland Gärtner

Medizinische Klinik Innenstadt der Universität München

Ziemssenstr. 1

80336 München

Email: roland.gaertner@med.uni-muenchen.de