physioscience 2009; 5(2): 76-85
DOI: 10.1055/s-0028-1109430
Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Bezugswissenschaften der Physiotherapie: Medizin und Sportwissenschaft

Reference Sciences of Physiotherapy: Medicine and Sports SciencesG. Bollert1 , T. Erhardt2 , G. Geuter3 , P. Hucklenbroich4 , K. Willimczik5 , C. Zalpour6
  • 1Hochschule 21, Studiengang Physiotherapie
  • 2SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera GmbH
  • 3Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften – Arbeitsgruppe 6: Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft
  • 4Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
  • 5Institut für Sportwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt
  • 6FH Osnabrück, Institut für angewandte Physiotherapie und Osteopathie, INAP/O
Further Information

Publication History

eingereicht: 5.3.2009

angenommen: 16.3.2009

Publication Date:
18 May 2009 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: In diesem 2. von 4 Beiträgen zu möglichen Bezugswissenschaften der Physiotherapie werden die Medizin und Sportwissenschaft vorgestellt. Hierbei handelt es sich um 2 Disziplinen, die der Physiotherapie historisch und thematisch sehr nahe stehen. Insofern ist anzunehmen, dass sie sowohl eine Bedeutung für die momentane Berufspraxis als auch für die theoretische Weiterentwicklung der Physiotherapie haben. Gleichzeitig erfordert eine derartige Nähe unter anderem auch Kenntnisse über die jeweiligen Unterschiede zu den Nachbardisziplinen.

Ziel/Methode: Beide Disziplinen werden zunächst unabhängig von ihrer Bedeutung für die Physiotherapie von Experten kurz vorgestellt. Dabei liegt das Augenmerk jeweils auf der historischen Entwicklung der Disziplin, der sich mit der Zeit herausgebildeten Teildisziplinen, dem zentralen Gegenstand und aktuellen Herausforderungen. Im Anschluss daran vollziehen weitere Experten einen ersten exemplarischen Transfer der Inhalte in die Physiotherapie. Hier geht es gleichermaßen um die potenzielle Bedeutung für den theoretischen Diskurs, die Theorie- und Modellbildung sowie die physiotherapeutische Praxis.

Ergebnisse: Sowohl die Medizin als auch die Sportwissenschaft bieten nützliche Erkenntnisse für die Physiotherapiewissenschaft. Außerdem können ihre disziplinäre Entstehung und Weiterentwicklung eine Orientierung für die Physiotherapie sein und viele Impulse für die weitere Weggestaltung geben. Während die Medizin lange Zeit ein Hauptorientierungspunkt für die Entwicklung der Physiotherapie darstellte, zeichnet sich heute eine zunehmende Emanzipation der Physiotherapie ab.

Schlussfolgerungen: Je dichter sich Nachbardisziplinen thematisch an der Physiotherapie befinden, desto näher liegt es zunächst, Inhalte und Erkenntnisse direkt zu übernehmen. Dennoch ist es gerade dann notwendig, die Unterschiedlichkeiten der Disziplinen herauszuarbeiten und im Transferprozess zu berücksichtigen.

Abstract

Background: In this second out of a series of 4 articles on possible reference sciences of physiotherapy, medicine and sports sciences are portrayed. The 2 disciplines are very close to physiotherapy in terms of history and topic. Therefore they are presumably relevant for physiotherapy's present professional practice as well as its theoretical development. At the same time, such closeness demands also, amongst others, knowledge about the differences to the neighbouring disciplines.

Objective/method: Initially both disciplines are briefly outlined by experts irrespective of their importance for physiotherapy. Hereby special attention is paid to the discipline's historical development, its over the years emerged subsets, its central purpose and current challenges. Afterwards they portray a first exemplary transfer of the content into physiotherapy. This applies to its potential relevance for theoretical discourse, setup of theories and models as well as physiotherapy practice.

Results: Both medicine as well as sports science offer useful insights for physiotherapy science. In addition, their disciplinary development and enhancement may give orientation for physiotherapy and many impulses to its further shaping. For a long time medicine was a main landmark for physiotherapy development, however, currently a growing emancipation of physiotherapy becomes apparent.

Conclusions: The closer neighbouring disciplines are topically related to physiotherapy the more it is suggested to directly adopt both contents and findings. Nevertheless now more than ever it is necessary to analyse the differences of the disciplines and consider them in the transfer process.

Literatur

Gesche Bollert, M.A.

Kantstr. 77

24116 Kiel

Email: bollert@hs21.de