Pneumologie 2009; 63(6): 346-351
DOI: 10.1055/s-0028-1119563
Historisches Kaleidoskop

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Weshalb ist die Lunge trocken?[1] [2]

Why are the Lungs Dry?H.  Bachofen
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Publication Date:
03 March 2009 (online)

Zusammenfassung

Die extrem dünne Blut-Gas-Schranke, der hohe Blutdurchfluss und die für die Atmung erforderliche Deformierbarkeit der Lunge erfordern besondere Sicherheitsvorkehrungen, um den Alveolarraum trocken zu halten bzw. eine für den Gasaustausch deletäre Überflutung der Alveolen bereits unter physiologischen Bedingungen zu verhindern. Die entsprechenden Sicherheitsfaktoren sind teils auf struktureller, teils auf physiologischer Ebene wirksam. Die wichtigsten strukturellen Faktoren sind die äußerst geringe Permeabilität des Alveolarepithels, das wirksame Flüssigkeitsdrainagesystem der interstitiellen Räume und die peribronchovaskulären Räume von lockerem Bindegewebe, welche vorübergehend ein beachtliches Volumen von Überschussflüssigkeit speichern können. Physiologische Sicherheitskomponenten sind die geringen hämodynamischen Drucke bzw. der kleine Gefäßwiderstand im kleinen Kreislauf, der hohe kolloid-osmotische Druck im Plasma, die Verringerung des perimikrovaskulären kolloid-osmotischen Druckes bei erhöhter kapillärer Filtration, der interstitielle Druckgradient zwischen Lungenperipherie und hilären Anteilen der Lunge sowie die geringe mechanische Beanspruchung des feinen Lungenparenchyms dank der oberflächenspannungsvermindernden Wirkung des alveolären Oberflächenfilms. Ob ein aktiver Pumpmechanismus, welcher die Resorption von Lungenödemflüssigkeit beschleunigt, auch unter normalen Umständen eine Rolle spielt. ist noch nicht gesichert.

Abstract

The extremely thin blood-gas barrier, the high blood perfusion rate and the deformability of the lung required for ventilation call for safety measures in order to keep the peripheral airspaces dry. The protective factors are provided in part by the particular structural organization of the lung, in part by physiological safeguards. Amongst the structural safety factors the extremely low permeability of the alveolar epithelial cell layer, the effective drainage system of interstitial spaces, and the loose connective tissue layers which surround vessels and bronchi, and which can act as transient fluid reservoirs, should be mentioned. The physiologic safety factors include the low hemodynamic pressures in the pulmonary vessels, the high colloid-osmotic pressure of blood, the decrease in perimicrovascular colloid-osmotic pressure on increased transcapillary fluid filtration, the interstitial pressure gradient between peripheral and central parts of the lung, and the minimal mechanical forces acting on the fine lung parenchyma owing to the low surface tensions provided by alveolar surfactant. Whether the active pumping mechanism improving reabsorption of edema fluid is also operative under normal conditions has not yet been clarified.

1 Erstveröffentlichung in der Schweizer. Med. Wochenschrift 1991; 121: 1523 – 1529.

2 Referat gehalten am 87. Fortbildungskurs der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin (Biel. 14./15. Juni 1991).
Die vorliegende Arbeit wurde durch Beiträge des Schweizerischen Nationalfonds unterstützt (Nr. 3.172-0.88).

Literatur

1 Erstveröffentlichung in der Schweizer. Med. Wochenschrift 1991; 121: 1523 – 1529.

2 Referat gehalten am 87. Fortbildungskurs der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin (Biel. 14./15. Juni 1991).
Die vorliegende Arbeit wurde durch Beiträge des Schweizerischen Nationalfonds unterstützt (Nr. 3.172-0.88).

Dr. med. Robert Kropp

Das Deutsche Tuberkulose-Archiv e. V.

Liegnitzer Straße 5
36100 Petersberg

Email: dr.robert.kropp@gmx.de