Zusammenfassung
Der Natrium- und vor allem der Chlorspiegel ist im Blutserum bei der toxischen Diphtherieerkrankung deutlich gesenkt. Gleichzeitig sind auch die Chlor- und Natriumwerte im Harn vermindert, ein Befund, der auf eine Natrium- und Chloranreicherung im Gewebe schließen läßt.
Der Rest-N im Blutserum ist bei toxischer Diphtherieerkrankung vornehmlich auf Kosten von Harnstickstoff
erhöht. Im Harn ist die Harnstoffkonzentration und -gesamtausscheidung in den ersten Krankheitstagen
deutlich vermehrt, auf dem Höhestadium der Erkrankung stark vermindert und in der
Rekonvaleszenz wieder erhöht. Diese vorübergehende Funktionsuntüchtigkeit der Nieren
scheint zumindest zum Teil eine Folge der diphtherischen Kreislaufinsuffizienz zu
sein.
Die bei diphtherietoxinvergifteten Kaninchen durchgeführten Natrium-, Chlor-, Rest-N-
und Harnstoffanalysen in Blut, Harn und Geweben weisen zunächst ähnlich wie beim diphtheriekranken
Menschen eine Verminderung von Natrium und Chlor im Blutserum und Harn nach. Auch
eine Rest-N-Erhöhung im Blutserum wird festgestellt, während die N-Ausscheidung im
Harn wieder deutlich vermindert ist. Gleichzeitig besteht eine Anreicherung von Natrium,
Chlor und Harnstoffstickstoff in jenen Geweben, welche durch das Diphtheriegift am
stärksten geschädigt sind.
Die zusätzliche Nebennierenrindenhormon- und C-Vitamin-Behandlung hat auf die Kochsalz- und Eiweißstoffwechselstörungen bei der toxischen Diphtherieerkrankung
des Menschen keinen Einfluß. Die Behandlung diphtherietoxinvergifteter Kaninchen mit
Cortidyn und Ascorbinsäure verhindert dagegen die Natrium-, Chlor- und Rest-N-Veränderungen
in Blut, Harn und Geweben, wenn beide Präparate kurz nach der Intoxikation intravenös injiziert werden; erfolgt die erste Hormon-Vitamininjektion erstmalig
12 Stunden nach der Vergiftung, so werden die genannten Stoffwechselstörungen nicht verhindert.
Der Sauerstoffverbrauch und die Kohlensäureabgabe von diphtherietoxinvergifteten Kaninchen
ist kurz nach der Intoxikation leicht erhöht; nach einigen Tagen stellt sich jedoch
bei sämtlichen Tieren eine deutliche Grundumsatzsenkung ein. Die Behandlung mit Nebennierenrindenhormon und C-Vitamin vermag, wenn sie rechtzeitig
erfolgt, die nach Diphtherieintoxikation auftretende Herabsetzung des Sauerstoffverbrauchs
zu verhüten. Es verhindert aber auch die Injektion von thyreotropem Hormon die Grundumsatzsenkung
nach Diphtherieintoxikation. Diese Versuchsergebnisse sind zusammen mit früheren Untersuchungen
von uns ein weiterer Beweis für das Bestehen einer von der Nebennierenrinde über den
thyreotropen Anteil des Hypophysenvorderlappens zur Schilddrüse führenden Korrelation.
Ausfall der Nebennierenrindenfunktion durch Zerstörung mit Diphtherietoxin führt zur
Verminderung der thyreotropen Wirksamkeit des Hypophysenvorderlappens und im Gefolge
davon zu einer Neigung der Schilddrüse zur Inaktivität.