Zusammenfassung
Die seit 1932 stetig zunehmende Zahl der Erkrankungen an Meningitis epidemica zeigt
für 1939 einen erneuten sprunghaften Anstieg. Bei bisher fast gleichbleibender Letalität
erreichen jetzt auch die absoluten Zahlen der Todesopfer eine beachtliche Höhe. Nachdem
sich bei Prüfung der neuen Sulfonamidverbindungen das Uliron in der Behandlung der
M.e. als unwirksam erwiesen hat, wurden die Untersuchungen mit den Präparaten Prontosil
alb. und Eubasin fortgesetzt. Zur Beurteilung der Wirksamkeit des Protosil alb. standen
nach Abzug zweier schon vor Einsetzen der Behandlung verstorbener Fälle 25 Kinder
mit M.e. zu Verfügung. Von diesen starben 8, was einer Letalität von 32% entspricht,
wobei wir von 9 Säuglingen nur 2 (= 22%) verloren haben. (Gesamtletalität bei Berücksichtigung
aller beobachteten 27 Fälle: 37%.) Fünf mit Eubasin behandelte Fälle gingen in Heilung
aus. Von einer regelmäßigen und raschen Einwirkung der Behandlung auf den Krankheitsverlauf
konnte in beiden Gruppen auch bei den günstig verlaufenen Fällen nicht gesprochen
werden. Wieweit die erreichte Senkung der Letalität gegenüber den Vorjahren ursächlich
auf die durchgeführte Behandlung zurückzuführen ist, läßt sich noch nicht entscheiden.
Mitgeteilte Beobachtungen lassen für 1939 eine Besserung der Prognose der M.e. durch
Änderung des Genius epidemicus in Erwägung ziehen.