Dtsch med Wochenschr 2009; 134(8): 365-370
DOI: 10.1055/s-0028-1124007
Übersicht | Review article
Kardiologie, Pharmakotherapie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Pharmaka-induzierte Herzklappenveränderungen

Drug-induced valvular heart diseaseD. Blaschke1 , S. Rolf1 , A. S. Parwani1 , M. Huemer1 , R. Dietz1 , E. Garbe2, 3 , W. Haverkamp1
  • 1Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie
  • 2Charite – Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte, Institut für Klinische Pharmakologie
  • 3Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Universität Bremen
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Publication History

eingereicht: 25.8.2008

akzeptiert: 27.11.2008

Publication Date:
10 February 2009 (online)

Einleitung

Den wesentlichen Grundpfeiler der medikamentösen Therapie bei Morbus Parkinson stellen Dopaminagonisten dar [30]. Wie bei anderen Pharmaka können auch während der Behandlung mit Dopaminagonisten unerwünschte Begleitwirkungen auftreten. Das Nebenwirkungsspektrum dieser Substanzen betrifft im Wesentlichen orthostatische Hypotonie, Dyskinesien und Halluzinationen bis hin zu Psychosen. Bei Dopaminagonisten mit Ergot-Struktur, die von den Mutterkornalkaloiden abstammen, sind zusätzlich pleuropulmonale und retroperitoneale Fibrosen als unerwünschte Begleitwirkung zu befürchten [8] [21] [26] . Letztes Jahr beschrieben zwei Studien im New England Journal of Medicine [43] [53], dass es unter einer Therapie mit den Dopaminagonisten Pergolid und Cabergolin zu kardiovaskulären Nebenwirkungen im Sinne einer Schädigung der Herzklappen kommen kann. Ähnlich dazu berichteten im Jahre 1997 Connolly et al., dass die als Appetitzügler bei Adipositas verwendeten Pharmaka Fenfluramin/Phentermin und Dexfenfluramin mit ausgeprägten Herzklappenveränderungen assoziiert sein können [6]. Echokardiographisch zeigt sich dabei eine Verdickung der Herzklappen und der Chordae tendinae. In beiden Fällen erinnert dieses Phänomen an Herzklappenveränderungen, die in der Vergangenheit bei Serotonin-sezernierenden Karzinoid-Tumoren [38] und bei Therapie mit Ergot-Derivaten [37] beschrieben wurden.

Trotz Unkenntnis über den genauen Mechanismus liegt die Vermutung nahe, dass die kardialen Effekte über 5-HT2B-Rezeptoren (5-Hydroxytryptamin-Rezeptoren), einen Subtyp der Serotoninrezeptoren, vermittelt werden [39]. Diese Rezeptoren finden sich in großer Vielzahl an den menschlichen Herzklappen und scheinen u. a. für eine normale Klappenentwicklung essentiell zu sein [39]. Dies könnte erklären, warum nicht alle Pharmaka, die in den Serotoninmetabolismus eingreifen, die Herzklappen schädigen, sondern nur diejenigen, die 5-HT2B-Rezeptoren aktivieren. Die vorliegende Übersicht beschäftigt sich mit Substanzen, die entsprechende Herzklappenveränderungen hervorrufen können und soll die hohe Relevanz für die klinische Praxis aufzeigen.

Literatur

Dr. med. Daniela Blaschke

Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie

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