ZKH 2009; 53(1): 9-15
DOI: 10.1055/s-0029-1213496
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© Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Was ist das zu Heilende? Von der Homöopathie zur „Analogopathie”

Christian Lucae
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Publication Date:
19 March 2009 (online)

Zusammenfassung

Grundlegende Unterschiede zwischen der klassischen Homöopathie und den „neueren Strömungen” (Sankaran, Scholten) werden in Hinblick auf die Umsetzung wesentlicher homöopathischer Grundbegriffe – Anamnese, Arzneimittelprüfung, Ähnlichkeitsgesetz, Heilung – untersucht.

Haben sich die „neueren Strömungen” bereits so weit von der ursprünglichen Basis der Homöopathie entfernt, dass zur besseren Unterscheidung neue Begriffe wie „Analogopathie” notwendig werden?

Summary

Basal differences between classical homeopathy and the „new concepts” (Sankaran, Scholten) are investigated regarding the application of fundamental basic concepts of homeopathy such as case taking, drug proving, law of similars, and cure.

Have the „new concepts” already moved away so far from the original basis of homeopathy that new terms as „analogopathy” are needed for better discrimination?

Literatur

  • 01 Boger C M. Collected Writings. Edited by Robert Bannan. Foreword by Jeremy Sherr. Edinburgh; Churchill Livingston 1994
  • 02 Hahnemann S. Organon-Synopse. Die 6 Auflagen von 1810–1842 im Überblick. Bearbeitet und herausgegeben von Bernhard Luft und Matthias Wischner. Heidelberg; Haug 2001
  • 03 Jütte R. 200 Jahre Simile-Prinzip: Magie – Medizin – Metapher.  AHZ. 1997;  242 3-16
  • 04 Kent J T. Zur Theorie der Homöopathie. J.T. Kents Vorlesungen über Hahnemanns Organon. Übersetzt von Jost Künzli von Fimmelsberg Leer; Grundlagen und Praxis 1985
  • 05 Kent J T. Lectures on Homoeopathic Philosophy. New Delhi; B. Jain 1991
  • 06 Lucae C. Grundbegriffe der Homöopathie. Ein Wegweiser für Einsteiger. 2., bearbeitete und erweiterte Auflage Essen; KVC 2004
  • 07 Neuhold W. Die Empfindung in der Homöopathie (Methode nach Rajan Sankaran). Homöopathie-Workshop Graz; 4.–6..Mai.2007 (Seminarskript)
  • 08 Pesso A, Perquin L. Die Bühnen des Bewusstseins – Oder: Werden wer wir wirklich sind. München; CIP-Medien 2008
  • 09 Rohrer A. ADHS und Bönninghausen.  Homöopathie in Österreich. 2007;  18 (1) 21-22
  • 10 Sankaran S. The Sensation in Homeopathy. Mumbai; Homeopathic Medical Publishers 2004
  • 11 Scholten J. Homöopathie und Minerale. Utrecht; Stichting Alonnissos 1993
  • 12 Teut M, Dahler J, Lucae C, Koch U. Kursbuch Homöopathie. München; Elsevier/Urban & Fischer 2008
  • 13 Wischner M. Fortschritt oder Sackgasse?. Die Konzeption der Homöopathie in Samuel Hahnemanns Spätwerk (1824–1842) Essen; KVC 2000
  • 14 Wischner M. Das umfassende Therapiekonzept der Homöopathie – auf der Grundlage von Hahnemanns Organon. In: Bleul G (Hrsg.): Weiterbildung Homöopathie, Band A. Grundlagen und Therapie akuter Krankheiten. 2. Aufl. Stuttgart; Sonntag 2008: 1-11

Anmerkungen

01 Boger (1994), S. 42 (deutsche Übersetzung und Hervorhebung C.L.): „Wenn jedes Symptom ein kleines Bild der zentralen Störung darstellt, so wird ein zusammengesetztes Bild annähernd das Ganze umreißen. Das ist es, was wir meinen, wenn wir von einem Symptomenkomplex oder der Totalität der Symptome sprechen. Jedes dieser kleinen Bilder enthält mindestens zwei Elemente, den Hauptzug und die Variationen. So wie letztere in ihrer Anzahl zunehmen, wird ersterer verdunkelt und ist schwerer zu erkennen; aus diesem Grund sind die offensichtlich am meisten diskordanten Symptomrubriken als Hinzufügung plaziert, um das Hauptmittel oder zu allem passende Arzneien zu finden, welche die Lebenskraft sicher wieder stabilisieren werden.”

02 Boger (1994), S. 52 f; (deutsche Übersetzung und Hervorhebungen C.L.): „Eine Unordnung oder Störung der Dynamis nennt man Leiden, Erkrankung, Krankheit, Unwohlsein. Dieses Unwohlsein setzt eine Störung an irgendeiner Stelle voraus; diese Störung nimmt ihren Ursprung in der dynamischen Kraft der Körpers; die Rückkehr zur Ordnung setzt zunächst die Wiederherstellung der normalen dynamischen und dann der körperlichen Aktivität voraus. […] Leiden, Krankheit, Verletzung eines jeglichen Körperteils zeigt sich an anderer Stelle des Körpers. […] Diese Störung ist eine Disharmonie, und um die Harmonie wieder herzustellen, muss eine ähnliche Kraft angewandt werden. Solche ähnlichen Kräfte sind verschiedener Art, aber die ähnlichste und bekannteste heutzutage ist die potenzierte, homöopathische Arznei. […] Dies wissen wir, weil die ähnliche, potenzierte Arznei, wenn sie einer kranken Person verabreicht wird, dazu neigt, das Equilibrium wieder herzustellen und eine Sanftheit in der Wirkung, eine Wiederherstellung der richtigen Aktivität der kranken Person mit sich zu bringen. […] Sogar der große Philosoph Emerson erkannte dies als wahr; wenn immer es notwendig war, rief er ausschließlich einen homöopathischen Arzt.”

Dr. med. Christian Lucae

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