Kardiologie up2date 2009; 5(2): 141-154
DOI: 10.1055/s-0029-1214825
Herzrhythmusstörungen

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Heart Rate Turbulence und Dezelerationskapazität des Herzens – zwei neue Verfahren zur Risikobeurteilung nach Myokardinfarkt

Axel  Bauer, Georg  Schmidt
Further Information

Publication History

Publication Date:
01 July 2009 (online)

Abstract

High risk post-infarction patients benefit from prophylactic implantation of a cardioverter defibrillator (ICD). Currently, identification of high risk patients is based on the finding of reduced left ventricular ejection fraction (LVEF). However, sensitivity of risk prediction is poor. Evidence exists that risk stratification based on LVEF can be significantly improved by combination of LVEF with markers of cardiac autonomic dysfunction. The present article describes two novel Holter-based risk predictors Heart-Rate Turbulence (HRT) and Deceleration Capacity (DC) related to autonomic reflex and tone.

Kernaussagen

  • Hochrisikopatienten nach Myokardinfarkt profitieren von der primärprophylaktischen Implantation eines Defibrillators.

  • Die Diagnose einer eingeschränkten linksventrikulären Ejektionsfraktion (≤ 30 %) stellt den derzeitigen Goldstandard in der Erkennung von Hochrisikopatienten dar. Wendet man dieses Kriterium jedoch auf unselektionierte, modern therapierte Postinfarktpatienten an, so wird nur ein Bruchteil der Patienten, die in der Folgezeit versterben, korrekt identifiziert.

  • Die Bestimmung der kardialen autonomen Funktion des Herzens ist ein vielversprechender Ansatz, die Risikobeurteilung signifikant zu verbessern. Heart Rate Turbulence (HRT) und Dezelerationskapazität („deceleration capacity”; DC) des Herzens sind 2 neue Holter-EKG-basierte Verfahren zur Messung der reflektorischen und tonischen Komponente der autonomen Funktion.

  • Die HRT quantifiziert die baroreflexvermittelte Kurzzeitoszillation der Herzfrequenz nach spontan einfallenden ventrikulären Extrasystolen, die DC ist ein integrales Maß sämtlicher an Verlangsamungen beteiligter Modulationen der Herzfrequenz über 24 Stunden. Beide Verfahren tragen unabhängige prognostische Information und können zur Risikobeurteilung kombiniert werden.

  • Sind beide Faktoren abnormal, wird dies als schwere autonome Dysfunktion („severe autonomic failure”; SAF) bezeichnet. Der prognostische Wert des SAF wurde jüngst in einer prospektiven Postinfarktstudie an 2343 Patenten validiert. Die 5-Jahres-Ereignisraten für Gesamtmortalität, kardiale Mortalität und plötzlicher Herztod waren mit 39,9 %, 29,9 % und 11,6 % für Patienten mit SAF vergleichbar mit denen für Patienten mit einer LVEF ≤ 30 %.

Fasst man Patienten mit SAF und Patienten mit LVEF ≤ 30 % zu einer neuen Hochrisikogruppe zusammen, verdoppelt sich die Sensitivität der Risikoprädiktion bei gleichbleibendem positiv prädiktivem Wert. Mit SAF steht damit ein validiertes, nicht invasives und hochpotentes Verfahren zur Risikobeurteilung für Postinfarktpatienten zur Verfügung. Zukünftige Studien müssen jedoch prüfen, inwiefern auf diese Weise identifizierte Patienten von einer ICD-Implantation profitieren.

Literatur

PD Dr. med. Axel Bauer

Med. Klinik und Poliklinik Abt. Innere Med. III

Ottfried-Müller-Str. 10
72076 Tübingen

Email: axel.bauer@tum.de