Dtsch med Wochenschr 2009; 134(30): 1542
DOI: 10.1055/s-0029-1233978
Korrespondenz | Correspondence
Frage aus der Praxis
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Ersetzt die Testung der minimalen Hemmkonzentration die Resistenztestung?

E. Reisinger
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Publication Date:
14 July 2009 (online)

Frage: Ich arbeite als Intensivmediziner und meine, auf Kongressen gehört zu haben, dass die Resistenztestung mit S-I-R-Ergebnis zunehmend „out” sei und durch eine routinemäßige Testung der minimalen Hemmkonzentration (MHK) ersetzt werden sollte. Ich kann in meinem Labor aber auch auf Anfrage keine MHKs z. B. bei Endokarditis bekommen, weil das nicht relevant sei. Gibt es dazu Stellungnahmen der Fachgesellschaften o. ä.?

Antwort:Die minimale Hemmkonzentration (MHK) ist die niedrigste Konzentration eines Antibiotikums, bei der die Vermehrung der Bakterien gehemmt wird.

Die Resistenztestung von Bakterien erfolgt routinemäßig z. B. mit der Mikrodilutionsmethode, der Agarverdünnungsmethode oder dem Plättchendiffusionstest. Auch die automatisierten Methoden führen in der Regel keine vollständige Verdünnungsreihe zur Bestimmung der MHK durch, sondern messen die Wirksamkeit der Antibiotikakonzentrationen um den Grenzwert (Breakpoint), sodass die Ergebnisse auch hier mit S-I-R angegeben werden. Dies ist für die Routine in den meisten Fällen auch ausreichend. Auf Anfrage sollte ein Labor jedoch in der Lage sein, in bestimmten Situationen (z. B. bei Enterokokken-Endokarditis) eine MHK zu bestimmen. Hier ist die individuelle Rücksprache mit dem Infektiologen oder Mikrobiologen sinnvoll. Generelle Empfehlungen von Fachgesellschaften sind nicht bekannt.

Literatur

Prof. Dr. Emil Reisinger

Abteilung fürTropenmedizin und Infektionskrankheiten, Universitätsklinikum Rostock

Ernst Heydemannstr. 6

18057 Rostock