Dtsch med Wochenschr 2009; 134(30): 1542
DOI: 10.1055/s-0029-1233979
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Leserbriefe
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Medizinstudium heute: Patientenschauspieler und „Hammerexamen”

J. Schölmerich
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Publication Date:
14 July 2009 (online)

Zum Beitrag in der DMW 18/2009

Selbstverständlich ist es naheliegend, Veränderungen der Approbationsordnung aus der Sicht von Dozenten oder Studenten zu kritisieren. Überraschend ist allerdings die Tatsache, dass in Ihrem oben genannten Beitrag [1] im wesentlichen die Schwierigkeiten der Prüfungen und anderer vorwiegend für die Beteiligten lästige Elemente betont werden. Was völlig fehlt, ist der Aspekt, dass das Medizinstudium zunehmend zu einem Fachhochschulstudium wird, weil ihm die wissenschaftliche Dimension genommen wird.

Selbstverständlich ist, dass Medizin eine Mischung aus Wissenschaft und Kunsthandwerk darstellt. Das alleinige Erlernen des Kunsthandwerks durch Unterricht am Krankenbett durch junge Assistenten, durch „Skill Labs” an Gummipuppen und ähnliches betont ausschließlich den Aspekt des „Kunsthandwerks”. Dass die neue Approbationsordnung den wissenschaftlichen Aspekt des Studiums weitgehend eliminiert hat, wird merkwürdigerweise gar nicht erwähnt. Der sogenannte „Praxisbezug” wird offensichtlich überschätzt, hierzu dienen ja unter anderem auch 4 Monate Famulatur und eine ganzes „Praktisches Jahr”.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, dass wir uns vergegenwärtigen, dass Medizin auch (wenn auch nicht nur) eine Wissenschaft ist und uns darauf rückbesinnen, dass neben den Grundlagenfächern in den ersten 2 Jahren auch die Pathophysiologie und das Verständnis von beispielsweise Genetik und Zellbiologie eine wesentliche Rolle in der Medizin der Zukunft spielen werden. Zweifelsohne muss verhindert werden, dass das Medizinstudium völlig zu einer Berufsausbildung degeneriert. Medizin muss eine Kombination aus Kunsthandwerk und Wissenschaft bleiben. Es wäre schön, wenn in entsprechenden Aufsätzen wie in dem oben genannten dieser Aspekt nicht übersehen würde. Eine Zunahme des „Praxisbezuges” ist als solches kein Wert, solange sich das Verständnis von Physiologie und Pathophysiologie durch Veränderungen der Studienabläufe nicht wesentlich verbessert.

Literatur

Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich

Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, Universitätsklinikum Regensburg

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