Gastroenterologie up2date 2010; 6(2): 113-122
DOI: 10.1055/s-0029-1244151
Darm/Anorektum
 
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Reizdarm

Stefan  Müller-Lissner
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Publication Date:
22 June 2010 (online)

Kernaussagen

Definition, Epidemiologie, Pathophysiologie

  • Unter „Reizdarm” versteht man abdominelle Symptome, die im zeitlichen Zusammenhang mit dem Stuhlgang stehen oder mit einer Änderung der Stuhlgewohnheiten oder einer gestörten Defäkation einhergehen, chronisch oder rezidivierend auftreten und mit der verfügbaren und eingesetzten Diagnostik nicht zu klären waren.

  • Reizdarmbeschwerden sind häufig (10 – 20 % der Bevölkerung) und betreffen mehr Frauen als Männer. Die Beschwerden können sich über die Zeit bzgl. Art und Intensität wandeln oder auch ganz verschwinden. Die Prognose quoad vitam ist gut.

  • Es können ein oder mehrere pathophysiologische Komponenten zusammenwirken, z. B. Hyper- oder Hypomotilität, viszerale Sensibilität, mukosale Immunologie und Psyche.

Diagnostik und Therapie

  • Die wichtigste diagnostische Maßnahme ist die Anamnese, technische Untersuchungen sind nicht zwingend. Wiederholte Koloskopien bei unveränderter Symptomatik sind sinnlos.

  • Die Aufklärung des Patienten über die Erkrankung steht im Vordergrund der Behandlung. Die symptomorientierte Therapie beim Reizdarm orientiert sich an den im Vordergrund stehenden Beschwerden, ihrer Intensität, Häufigkeit und Art.

  • Die verwendeten Medikamente gehören sehr unterschiedlichen pharmakologischen Klassen an. Die Auswahl orientiert sich auch an der vermuteten Pathophysiologie, stellt aber regelhaft eine Probebehandlung dar.

  • Eine Psychotherapie kommt nur für einen kleinen Teil der Reizdarmpatienten in Frage.

Literatur

Prof. Dr. Stefan Müller-Lissner

Abteilung für Innere Medizin
Park-Klinik Weißensee

Schönstraße 80
13086 Berlin

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