Gastroenterologie up2date 2010; 6(2): 97-112
DOI: 10.1055/s-0029-1244248
Darm/Anorektum

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zöliakie

Walburga  Dieterich, Detlef  Schuppan
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Publication History

Publication Date:
22 June 2010 (online)

Kernaussagen

Epidemiologie und Klinik

  • Die Prävalenz der Zöliakie in der Gesamtbevölkerung beträgt in den westlichen Ländern und den USA 1 – 2 % und weist eine steigende Tendenz auf, sodass die Zöliakie mittlerweile die häufigste HLA-assoziierte Erkrankung mit Autoimmuncharakteristika darstellt.

  • Die Zöliakie galt lange Zeit als Kleinkinderkrankung und manifestierte sich meist mit der Zufuhr der glutenhaltigen Getreidesorten Weizen, Roggen und Gerste im Alter von 6 – 12 Monaten. Die typischen Symptome waren hierbei Diarrhöen, Minderwuchs, Blähungen und Antriebslosigkeit.

  • In den vergangenen 30 Jahren ist die klinische Erstmanifestation jedoch häufiger im Erwachsenenalter und vor allem auch im höheren Alter zu beobachten. Diese Patienten weisen vermehrt extraintestinale Symptome wie Eisenmangel, Osteoporose, einen Leistungsknick oder depressive Verstimmungen auf und werden in der Regel noch immer erst viele Jahre nach den ersten Symptomen diagnostiziert.

Diagnostik und Therapie

  • Aufgrund des erhöhten Risikos für bestimmte Malignome, des vermehrten Auftretens von weiteren Autoimmunerkrankungen, der gesteigerten Mortalitätsrate und der oft berichteten verminderten Lebensqualität der Betroffenen ist es in Anbetracht der meist kurativen glutenfreien Diät unerlässlich, bei den genannten Symptomen nach einer evtl. zugrunde liegenden Zöliakie zu fahnden.

  • Die Diagnose der Zöliakie ist heute mit dem Nachweis der zöliakietypischen Serologie (Antikörper gegen TG2/EmA, deamidiertes Gliadin) und der Bestätigung durch Endoskopie und duodenale Biopsien sehr leicht möglich.

  • Die Therapie besteht in der lebenslangen Einhaltung einer strikt glutenfreien Diät. Diskutiert wird zurzeit, ob bei Patienten, die mittels eines „Screenings” entdeckt wurden und ggf. nur eine grenzwertig positive Histologie aufweisen, aber keinerlei Symptome oder Mangelerscheinungen zeigen, lediglich eine regelmäßige Beobachtung erforderlich ist.

Literatur

PD Dr. rer. nat. Walburga Dieterich

Universität Erlangen-Nürnberg
Medizinische Klinik 1 mit Poliklinik

Forschungslabor Hartmannstraße 14
91052 Erlangen

Email: [email protected]