Dtsch med Wochenschr 2010; 135(14): 716
DOI: 10.1055/s-0030-1251924
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Leserbrief
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Metabolische Störungen bei Leberzirrhose: Hepatogener Diabetes mellitus

Metabolic disturbances in liver cirrhosis: hepatogenous diabetesW. Nolte
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Publication Date:
31 March 2010 (online)

Zum Beitrag in der DMW 1/2 – 2010

Mit großem Interesse las ich den Artikel von F. Gundling et al. [1] über den hepatogenen Diabetes mellitus. Der Artikel behandelt erfreulicherweise auch die mögliche Bedeutung der Inkretinhormone in der Pathogenese und Therapie des hepatogenen Diabetes mellitus. Hierbei findet sich auf Seite 24 im zweiten Absatz der Satz: „Verglichen mit gesunden Menschen besitzen Leberzirrhose-Patienten eine deutlich niedrigere Inkretinproduktion”. Diese Feststellung erscheint allerdings schwer nachvollziehbar, da sie nicht durch Literaturstellen belegt wird. So bringt der Literaturverweis weiter unten im Text [3] hierzu keine weitere Erkenntnis, da in dem genannten Artikel das Inkretinverhalten bei Leberzirrhose-Patienten als unklar angegeben wird.

Eigene metabolische Untersuchungen an Zirrhosepatienten nach Implantation eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Stent-Shunts (TIPSS) können die Behauptung einer Inkretinerniedrigung nicht stützen [2]. Untersucht wurden die portalen GLP-1-Spiegel im Rahmen einer Probemahlzeit bei Zirrhosepatienten mit einem TIPSS. Hierbei zeigte sich im Vergleich von diabetischen und nicht-diabetischen Zirrhosepatienten kein Unterschied in den portalen GLP-1-Konzentrationen. Mir erscheint daher, dass die Behauptung einer Inkretinerniedrigung bei Zirrhosepatienten nicht ausreichend gesichert ist und einer kritischen Prüfung unterzogen werden sollte.

Literatur

Prof. Dr. Wilhelm Nolte

Innere Medizin/Gastroenterologie, Marienhospital Gelsenkirchen GmbH

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