ergopraxis 2010; 3(5): 13
DOI: 10.1055/s-0030-1254390
wissenschaft

ADHS – Die Diagnose beeinträchtigt die Spielfähigkeit

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Publikationsdatum:
18. Mai 2010 (online)

 

Kinder mit ADHS haben es beim Spielen schwerer. Zu dem Ergebnis kamen die Ergotherapeutin Anita Bundy und ihre Kollegen von der University of Sydney, Australien, sowie die Ergotherapeutin Clare Hocking der Auckland University of Technology, Neuseeland.

Die Forscher entwarfen ein Modell, das auf der Basis des Test of Playfulness (ToP) beschreibt, wie die ADHS-Symptomatik das kindliche Spiel beeinflusst. Dazu untersuchten sie das Spielverhalten von 350 Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren mit und ohne ADHS, indem sie den Items des ToP die Kernsymptome der ADHS, also Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität, zuordneten. Aufgeteilt waren die Kinder in 112 Spielpaare, von denen jeweils ein Kind an ADHS litt. 126 Kinder befanden sich in der Kontrollgruppe und spielten ebenfalls zu zweit miteinander.

Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder mit ADHS Schwierigkeiten im sozialen Zusammenspiel haben sowie ein sehr geringes Einfühlungsvermögen in den Spielpartner. Die Kernsymptome erwiesen sich durch eine zum Spiel motivierende Umgebung als nicht signifikant stärker als bei Kindern ohne ADHS. Daraufhin überarbeiteten die Forscher ihr Modell, welches nun dazu dient, eine spielorientierte Intervention zu planen. Sie empfehlen, die Motivation des Kindes durch eine physisch und emotional sichere Umgebung zu steigern, in der das Kind Wahlmöglichkeiten hat und Aktivitäten entwickeln und reflektieren kann. Zudem sei es wichtig, Einfühlungsvermögen mit ihm zu trainieren, indem es übt, Gesichtszüge zu unterscheiden und zu identifizieren sowie andere Perspektiven und Rollen zu übernehmen. Außerdem raten sie dazu, einen „geschulten” Spielgefährten einzubeziehen, der dem Kind typische soziale Angebote macht wie „Hast du Lust zum Spielen?”.

Chpr

AOTJ 2009; 56: 332–340