Radiologie up2date 2010; 10(3): 211-230
DOI: 10.1055/s-0030-1255595
Muskuloskelettale Erkrankungen

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Allgemeine radiologische Symptomatologie peripherer Gelenke

Radiographic symptoms of peripheral jointsA.  S.  Klauser, K.  Wörtler, W.  R.  Jaschke
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
03. September 2010 (online)

Zusammenfassung

Eine Diagnoseerstellung rheumatischer Erkrankungen basiert auf klinischen Parametern und auf dem differenzialdiagnostischen Potenzial von Röntgensymptomen. Die systematische Bildanalyse sollte initial beantworten, ob es sich um eine Erkrankung an der Synovia, am Knorpel oder an den Enthesen handelt.

Synovialisarthropathien manifestieren sich durch eine Änderung der Weichteildicke und Weichteildichte und werden nach dem Vorliegen von Erosionen beurteilt.

Chondropathien werden durch Gelenkspaltverbreiterungen, Gelenkspaltverschmälerungen, Verkalkungen und Veränderungen des subchondralen Knochens sichtbar.

Enthesiopathien gilt es an den typischen Sehnen-Band-Kapsel-Ansätzen zu lokalisieren, wo sie osteoproliferativ, aber auch erosiv auftreten können.

Schlussendlich ist die Befallstopik der beteiligten Gelenke (Verteilungsmuster) eines der wichtigsten Kriterien in der Differenzialdiagnose rheumatischer Erkrankungen.

Abstract

Diagnosis of inflammatory rheumatic diseases is besides clinical parameters mainly based on the potential for differential diagnosis of radiographic symptoms obtained by systematic analysis.

The initial analysis should emphasize which part of the joint is involved referring to synovial disease, cartilage disease or disease of the enthesis. Synovial arthropathies are assessed regarding soft tissue swelling, soft tissue opacification and the presence of erosions. Cartilaginous pathology is reflected by reduced or increased joint space, calcifications and subchondral bone changes.

Enthesopathy is typically located at tendon-ligament and joint capsule attachment, where osteoproliferative but also erosive changes might occur.

Lastly, differential diagnosis of arthropathies is mainly based on distribution and allocation of affected joints.

Kernaussagen

Durch die systematische Analyse eines Röntgenbilds sollten folgende Punkte klar dargelegt werden können [26]:

  • Liegt im Vordergrund eine Synovialisarthropathie oder eine Chondropathie vor?

  • Bestehen Zeichen einer Enthesiopathie?

  • Geht die Erkrankung vom Gelenk, vom umgebenden Weichteilmantel oder dem gelenknahen Knochen aus?

  • Sind die Veränderungen frischer Natur oder alt, oder findet sich ein Nebeneinander von beidem?

  • Bestehen reaktive Knochenveränderungen?

Arthritische Weichteilzeichen können im Röntgenbild der Hand frühestens nach Tagen bis Wochen in Erscheinung treten. Dabei sind die periartikulären Weichteile verdichtet, der metakarpale Fettstreifen maskiert und die Metakarpusdistanz nimmt zu.

Arthritische Kollateralphänomene treten nach Wochen bis Monaten auf, zeigen eine gelenknahe Osteoporose, die akut zumeist fleckig bis unscharf und chronisch homogener imponiert.

Arthritische Direktzeichen entwickeln sich nach Monaten bis Jahren. Dabei zeigen sich Gelenkdestruktionen, Gelenkspaltverbreiterungen und Gelenkspaltverschmälerungen (konzentrisch, gleichmäßig), ein partieller Grenzlamellenschwund, Signal- oder Begleitzysten, Erosionen und anschließend eine Fehlstellung, Destruktion und Mutilation bis zur Ankylose.

Literatur

Univ. Doz. Dr. med. Andrea S. Klauser

Medizinische Universität Innsbruck
Bereichsleitung: Rheuma & Sportbildgebung
Department Radiologie

Anichstraße 35
6020 Innsbruck, Österreich

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