Kardiologie up2date 2010; 6(4): 317-334
DOI: 10.1055/s-0030-1255964
Koronare Herzerkrankung und Atherosklerose

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Aktuelle Aspekte der modernen interventionellen Koronartherapie

Sebastian  Reith, Rainer  Hoffmann
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Publication Date:
24 November 2010 (online)

Zusammenfassung

Die wesentlichen Fortschritte der interventionellen Koronartherapie in den vergangenen Jahren beruhen auf einer verbesserten adjuvanten medikamentösen Therapie, sowohl in Bezug auf die Antikoagulation als auch auf die antithrombozytäre Therapie. Daneben haben neue Stent- und Ballontypen die In-Stent-Restenoserate reduzieren können. Die vorliegende Arbeit beschreibt diesbezüglich die aktuelle Studienlage und die entsprechenden Indikationen. Außerdem gibt sie einen Überblick über die klinische Relevanz der Syntax-Studie für den Therapieentscheidungsprozess zwischen Kardiologen und Kardiochirurgen.

Kernaussagen

  • Die koronarangiografische Diagnostik und die PCI haben insbesondere aufgrund der demografischen Entwicklung und dem breiteren Indikationsspektrum in den vergangenen Jahren zahlenmäßig deutlich zugenommen.

  • Die Einführung der medikamentenbeschichteten Stents hat die Rate der Restenosen und die Notwendigkeit erneuter Interventionen insbesondere bei bestimmten Patientenkollektiven wie den Diabetikern und bei bestimmten Koronarmorphologien wie kleinen Gefäßen, In-Stent-Restenosen und langstreckigen Läsionen wesentlich verringert. Außerdem hat die Verwendung dieser DES auch zu besseren Ergebnissen und damit zu einer geringeren Schwelle bei der Indikationsstellung zur interventionellen Therapie komplexer Läsionen (Bifurkationsstenosen, CTO) geführt.

  • Neben den medikamentenbeschichteten Stents stellen die medikamentenbeschichteten Ballons eine Innovation dar, deren gesicherte Indikation zum jetzigen Zeitpunkt die Behandlung der In-Stent-Restenose darstellt.

  • Bezüglich der Behandlung der Hauptstammstenose und der schweren Dreigefäßerkrankung haben die Ergebnisse des SYNTAX-Trials zwar primär einen Vorteil für die kardiochirurgische Revaskularisierung gezeigt, dennoch bleibt die letztendliche Therapieentscheidung zwischen PCI und Bypassoperation bei diesem Patientenkollektiv eine individuelle patientenbasierte Entscheidung.

  • Daneben hat die verbesserte adjunktive medikamentöse Therapie, insbesondere die optimierte thrombozytenaggregationshemmende und antikoagulatorische Therapie, zu einer Verbesserung der klinischen Ergebnisse von PCI-Patienten beigetragen. Neben ASS und Clopidogrel als etablierte duale antithrombozytäre Therapie ist Prasugrel als neue potente Substanz getreten, und zukünftig wird möglicherweise auch Ticagrelor eine wichtige klinische Bedeutung haben.

  • Im Bereich der antikoagulatorischen Therapie sind weiterhin das unfraktionierte Heparin und die niedermolekularen Heparine am weitesten verbreitet. Andere Substanzklassen wie Pentasaccharide (Fondaparinux) und direkte Thrombininhibitoren (Bivalirudin) sind bereits in den Leitlinien etabliert und dürften zukünftig auf breiter klinischer Ebene an Bedeutung gewinnen.

Literatur

Dr. med. Sebastian Reith

Medizinische Klinik I
Universitätsklinikum Aachen

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