Zusammenfassung
Ziel der Studie: Nichtkommerzielle wissenschaftsinitiierte klinische Prüfungen sind wesentlicher Teil
der klinischen Forschung in Deutschland. Durch die 12. Novelle des Arzneimittelgesetzes
werden Wissenschaftler, die klinische Prüfungen initiieren, mit neuen und komplexen
rechtlichen Rahmenbedingungen konfrontiert. Der Beitrag untersucht die Auswirkungen
dieser neuen rechtlichen Anforderungen auf zentrale Aspekte klinischer Prüfungen.
Methodik: Es wurden insgesamt 87 Personen befragt, die sich beruflich mit der Planung, Durchführung
oder Auswertung wissenschaftsinitiierter klinischer Prüfungen beschäftigen. In die
Erhebung wurden sowohl Angestellte von Universitätskliniken und von Koordinierungszentren
für klinische Studien als auch Mitarbeiter von Auftragsforschungsinstituten einbezogen.
Die Befragung erfolgte mittels eines internetbasierten, anonymen Fragebogens.
Ergebnisse: Die befragten Personen beschreiben einen allgemeinen Anstieg der regulatorischen
Anforderungen und der Komplexität in wissenschaftsinitiierten klinischen Prüfungen
sowie eine Zunahme des anfallenden Zeitaufwandes und der Gesamtkosten. Allerdings
wird durch die Befragten auch ein Qualitätsanstieg in klinischen Prüfungen verzeichnet.
Schlußfolgerungen: Die aus der 12. Novelle des Arzneimittelgesetzes resultierenden, neuen regulatorischen
Ansprüche erfordern eine zunehmende Professionalisierung im Rahmen der Planung und
Durchführung klinischer Prüfungen im akademischen Umfeld. Insbesondere Universkliniken
stehen hierdurch vor erheblichen Herausforderungen.
Abstract
Purpose of the study: Non-commercial investigator-initiated trials are an important part of clinical research
in Germany. Academics who want to initiate clinical trials are confronted with the
new and complex regulatory framework of the 12th Amendment to the German Drug Code. This paper studies the effects of this new regulatory
framework on different important aspects of clinical trials.
Methods: A total of 87 people who are engaged in planning, conducting or analysing investigator-initiated
clinical trials were included in the study. The professionals are employed at university
hospitals, coordinating centres for clinical trials, and contract research organisations.
The survey took place using a web-based, anonymous questionnaire.
Results: The interviewed professionals described a general increase of regulatory requirements
and complexity in investigator-initiated clinical trials, as well as an increase in
expenditure of time and total costs. However, there is also an observed improvement
in the quality of clinical trials.
Conclusion: The new regulatory requirements of the 12th Amendment to the German Drug Code have led to an increasing professionalisation in
planning and conducting clinical trials in an academic environment. In particular,
university hospitals have been confronted with large challenges.
Schlüsselwörter
klinische Studien - AMG - wissenschaftsinitiiert
Key words
clinical trials - German drug code - investigator-initiated studies
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Korrespondenzadresse
Dr. U. Kehrel
Institut für betriebswirt
schaftliches Management
im Fachbereich Chemie und
Pharmazie
Westfälische Wilhelms-
Universität Münster
Leonardo-Campus 1
48149 Münster
eMail: u.kehrel@uni-muenster.de