Inf Orthod Kieferorthop 2011; 43(1): 23-31
DOI: 10.1055/s-0031-1271400
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Das ästhetische Erscheinungsbild verlagerter und retinierter Eckzähnen nach kieferorthopädischer Einordnung

The Aesthetic Appearance of Displaced and Impacted Canines After Orthodontic TreatmentB. Ludwig1 , 2 , B. Glasl1 , G. Kinzinger2 , B. Wilmes3 , J. Lisson2
  • 1eigene kieferorthopädische Praxis, Traben-Trarbach
  • 2Poliklinik für Kieferorthopädie, Universität des Saarlandes, Homburg / Saar
  • 3Poliklinik für Kieferorthopädie, Westdeutsche Kieferklinik, Heinrich Heine Universität, Düsseldorf
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Publication Date:
15 March 2011 (online)

Zusammenfassung

Die Einordnung verlagerter und retinierter oberer Eckzähne zählt zu den Standardaufgaben in jeder kieferorthopädischen Praxis. Betroffene Patienten leiden nicht selten unter ihrer frontalen Ästhetik und entscheiden sich für eine Behandlung, v. a. wenn die Verlagerung zu assoziierten Befunden, wie Lückenbildungen, Drehständen der Nachbarzähne oder Mittenverschiebungen führt. Ziel dieser Untersuchung war die unbefangene Bewertung des ästhetischen Gesamtergebnisses nach chirurgischer Freilegung und kieferorthopädischer Einordnung. Dafür wurden aus einem entsprechenden Patientenkollektiv 20 unselektierte posttherapeutische Fotodokumentationen der intraoralen Situation an 5 Laien- und 3 Fachpersonen ohne jegliche Vorinformation und nur mit der Bitte um ästhetische Beurteilung sowie Nennung ästhetisch störender Auffälligkeiten ausgehändigt. Die prozentuale Identifizierung ehemals verlagerter Eckzähne lag in der Laiengruppe bei 5 % und in der Gruppe der Fachpersonen bei 15 %. Alle erkannten Eckzähne lagen ursprünglich in hoher vestibulärer Verlagerung und wurden mit Lappenbildung freigelegt. Dabei fielen posttherapeutisch vor allem Alterationen des Gingivaverlaufs, gingivale Einziehungen im Wurzelbereich und farbliche Veränderungen der Gingiva auf. Die gingivale Ästhetik erwies sich bei palatinaler Verlagerung und anschließender Einordnung in das unberührte vestibuläre Weichgewebe als unauffällig. Palatinale Verlagerungen mit posttherapeutischer Mittenkongruenz wurden von keiner der beiden Untersuchungsgruppen erkannt. Lediglich in der Gruppe der Fachzahnärzte wurde ein Fallbeispiel mit einseitiger palatinaler Verlagerung aufgrund der posttherapeutischen Mittenabweichung als ästhetisch auffällig beschrieben. Schlussfolgernd ließ sich feststellen, dass vor allem vorhandene parodontale Begleitbefunde auf Gingivaniveau und dentale Abweichungen der Seitensymmetrie (Mittenverschiebung, Stellungs- und Torque-Fehler der Eckzähne) zu einer Identifikation mit Äußerung der konkreten Verdachtsdiagnose führten. 

Abstract

The treatment of displaced and impacted upper canines is one of the standard tasks in every orthodontic practice. Affected patients often suffer from their dental appearance and decide for a treatment, especially if the canine displacement creates associated findings, such as gap opening, rotation of the adjacent teeth or midline deviation. The aim of this study was an independent assessment of the overall aesthetic outcome after surgical uncovering and orthodontic treatment. For this purpose, 20 photo documentations (post-treatment, intraoral situation) were randomly selected from an appropriate group of patients and delivered at 5 laymen and 3 professionals without any prior information only asking for aesthetic assessment respectively for visible aesthetic disorders. The identification of formerly displaced canines was at 5 % in the lay group and at 15 % in the group of specialists. All recognized canines were originally in high vestibular displacement and they were exposed with flap surgery. Here, post-treatment findings were mainly alterations of the gingiva, gingival invagination in the apical regions and color changes of the gingiva. Gingival aesthetics of formerly palatally displaced canines and their subsequent movement towards the intact vestibular soft tissue proved to remain undetected by all examiners. Palatally displaced canines without midline deviation were not recognized by any of the 2 study groups. Only in the group of specialists, there was a complaint due to persisting midline deviation resulting from a unilateral palatal displacement. Concluding, periodontal lesions and dental inaccuracies (midline deviation, imperfection of canine position and torque) mainly lead to diagnosis of displaced canines.