Hebamme 2011; 24(1): 4
DOI: 10.1055/s-0031-1275537
Editorial
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Adipositas – eine Herausforderung für die Geburtshilfe

Franz Kainer
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Publication Date:
22 March 2011 (online)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Behandlung des Übergewichtes ist eine der großen gesundheitspolitischen Herausforderungen für die nächsten Generationen. Der explosionsartige Anstieg des Übergewichtes in den letzten 30 Jahren ist noch nicht abgeschlossen und es wird vorerst eine weitere Zunahme erwartet. Damit geht auch eine Zunahme von schwangeren Frauen mit Übergewicht einher. Vor allem der Anteil der Frauen mit starkem Übergewicht (BMI > 30) hat in den USA stark zugenommen. Jedoch auch in Deutschland haben laut einer Auswertung von Voigt aus dem Jahre 2008 bereits ein Viertel der Schwangeren einen BMI zwischen 25 und 30 und 11 % einen BMI > 30.

Nahezu alle relevanten perinatologischen Probleme wie Fertilitätsstörungen, Fehlgeburten, Frühgeburten, Präeklampsie, eine erhöhte Rate an operativen Entbindungen, Infektionen sowie peripartalen Blutungen stehen mit der Adipositas in einem direkten oder indirekten Zusammenhang.

Außer den akuten Risiken sind jedoch auch Langzeitfolgen bei der Mutter (Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und dem Kind (Stoffwechselerkrankungen, Adipositas als „fetale Programmierung”) zu erwarten. Eine effiziente Behandlung wäre daher wünschenswert.

Die Beratung von übergewichtigen und adipösen schwangeren Frauen durch Hebammen und Frauenärzte ist von großer praktischer Bedeutung. Deshalb wird in diesem Heft in mehreren Beiträgen untersucht, welche Studienergebnisse zum Thema Adipositas und Schwangerschaft vorliegen und welche wissenschaftlich fundierten Empfehlungen den betroffenen Frauen aktuell gegeben werden können. Die Studienergebnisse sind die Grundlage unserer Beratung.

Neben praktischen Hinweisen zur Ernährungsberatung und Bewegungstherapie von schwangeren Frauen werden in diesem Heft auch neuere Therapieansätze wie chirurgische Maßnahmen zur Adipositasbehandlung vorgestellt.

Dabei sind wir uns der Problematik bewusst, dass die objektiv empfehlenswerten Maßnahmen nicht von allen betroffenen Frauen angenommen und umgesetzt werden können (s. auch Herausgeberkommentar von Sabine Krauss-Lembcke, S. 25).

Trotzdem sollten wir uns nicht entmutigen lassen. Denn mit einer kompetenten Beratung können nicht nur akute perinatologische Risiken positiv beeinflusst werden, sondern eine bewusste Ernährungsumstellung in der Schwangerschaft ist auch ein wichtiger Faktor in der Prävention von gesundheitlichen Spätschäden bei Mutter und Kind.

Als Besonderheit finden Sie in dieser Ausgabe auch den Beginn einer Artikelserie über die Planung und Ausführung von Forschungsprojekten. Im ersten Beitrag werden die möglichen qualitativen Forschungsmethoden vorgestellt und die Wahl der geeigneten Methode anhand eines Fallbeispiels demonstriert. Vielleicht kann diese Serie Sie dazu anregen, alleine oder zusammen mit Ihrem Team ein Forschungsprojekt in Angriff zu nehmen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Herzliche Grüße

Ihr

Prof. Dr. Franz Kainer

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