physiopraxis 2011; 9(5): 17
DOI: 10.1055/s-0031-1280578
physiowissenschaft

Patellofemorales Schmerzsyndrom – Kräftigung der LBH-Region und koordinatives Training helfen

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Publikationsdatum:
20. Mai 2011 (online)

 

Frauen mit peripatellaren Schmerzen können ihre Symptome lindern, wenn sie die neuromuskuläre Kontrolle und Kraft der Muskeln des Lenden-Becken-Hüftkomplexes (LBH) – englisch auch „Core“ genannt – verbessern.

Zu diesem Ergebnis kamen Jennifer Earl von der Universität in Wisconsin, USA, und ihre Kollegen in einer Fallstudie. 19 Frauen zwischen 16 und 40 Jahren, die mindestens vier Wochen lang peripatellare Schmerzen hatten, nahmen daran teil. Vor der Anwendung maßen die Forscher mit einem Dynamometer die isometrische Kraft der Muskulatur im Bereich des Hüftgelenks, der LWS und des Beckens. Ein spezielles Kamerasystem nahm die Gelenkbewegungen der Frauen beim Laufen auf. Eine Kraftmessplatte erfasste die dabei entstehenden Bodenreaktionskräfte.

Nach den Tests trainierten die Probandinnen acht Wochen lang unter Supervision eines Therapeuten oder Trainers. Das Programm erstreckte sich über 8 bis 15 Einheiten, die jeweils 30 bis 60 Minuten dauerten. Die Frauen kräftigten und dehnten nach einer festen Reihenfolge die Core- und Beinmuskeln und übten koordinativ. Vor und nach dem Trainingsprogramm sowie nach sechs Monaten maßen die Wissenschaftler unter anderem das Aktivitätslevel, die Schmerzintensität, die Bewegung und die Kraft. Bei der Kontrolluntersuchung nach sechs Monaten ermittelten sie lediglich den Aktivitätszusstand und die Schmerzintensität.

Bei 15 der 19 Patientinnen reduzierte sich die Schmerzintensität um mehr als 2 cm auf einer Zehn-Zentimeter-Visuellen-Analogskala. Die Kraft der Hüftgelenkaußenrotatoren und –abduktoren verbesserte sich um 16 % beziehungsweise 12 %. Während die Kraft der lateralen Coremuskeln um 51 % zunahm, veränderte sie sich bei den posterioren und anterioren Muskeln der LBH-Region eher wenig. Auch verringerte sich das Abduktionsdrehmoment am Kniegelenk um etwa 20 %. Das ist relevant, da Patienten mit peripatellaren Schmerzen häufig ein größeres Abduktionsdrehmoment als Gesunde zeigen. Dies äußert sich zum Beispiel durch eine Seitneigung des Rumpfes, eine Adduktion des Femurs oder ein kontra laterales Absinken des Beckens

Da die Arbeit von Earl und ihren Kollegen einige Limitierungen im Design aufweist wie eine fehlende Kontrollgruppe, empfehlen die Forscher, die Ergebnisse in weiteren kontrollierten Studien überprüfen zu lassen.

hebe

Am J Sports Med 2011; 39: 154–163

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