Hebamme 2011; 24(2): 128-129
DOI: 10.1055/s-0031-1281506
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Publication Date:
14 June 2011 (online)

Zu dem Beitrag „Aus Fehlern lernen: Rezidivierende Präeklampsie”, Die Hebamme Heft 1, 2011, S. 6–7

Herzlichen Dank für den Artikel. Es ist sehr hilfreich, anhand von Praxisfällen sich die Gefahr von so seltenen Fällen wie der vorzeitigen Plazentalösung bewusst zu bleiben. Bitte erlauben Sie mir, meine Gedanken zu dem Fall zu äußern.

Ich bin mit der Einschätzung der Bedeutung des CTGs nicht ganz einig. Ein „eingeengtes” CTG gilt nach den FIGO-Richtlinien nicht als suspekt. Nach diesen Richtlinien gilt ein CTG erst dann als suspekt, wenn es länger als 40 Minuten silent ist, als pathologisch wird ein CTG eingestuft, wenn es länger als 90 Minuten silent ist. Die Bewertungsschemata nach Fischer oder Hammacher, die das „eingeengte” CTG als suspekt definieren, sind nicht evidenzbasiert. Die neueren – evidenzbasierten – FIGO-Richtlinien sind bezüglich der Bandbreite des CTGs großzügiger und „eingeengt” wird nicht definiert. Eine Bandbreite über 5 SpM gilt als normal. Daher sollte man die „ruhigeren” Herztonkurven nicht unnötig pathologisieren.

Darüber hinaus möchte ich daran erinnern, dass ein CTG keinerlei Vorhersagewert besitzt. Es sagt immer nur etwas über den aktuellen Zustand des Kindes aus. Daher hätte eine CTG-Kontrolle am Abend, vor der Kurzatmigkeit und der Kaltschweißigkeit der Patientin in der Nacht, den Verlauf wahrscheinlich kaum beeinflusst.

Sehr einig bin ich damit, dass diese ersten Symptome der Patientin hätten ernster genommen werden müssen. Eine CTG-Kontrolle zu diesem Zeitpunkt hätte vielleicht schon eine Notsituation des Kindes anzeigen können, denn es deutet viel darauf hin, dass die Plazenta hier begonnen hat, sich zu lösen (eine Stunde später Blutung nach außen).

Nun war die Patientin zu diesem Zeitpunkt nicht im Kreißsaal und damit höchst wahrscheinlich nicht in Betreuung geburtshilflich speziell ausgebildeten Personals (zumindest wäre das in den meisten Kliniken so). Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Patientin einfach nur als ängstlich eingeschätzt wurde und man deshalb – mitten in der Nacht – niemanden gerufen hat, sondern mit ein wenig Atemübungen versucht hat, Linderung zu schaffen.
Für mich zeigt dieser Fall, dass eben gerade die geburtshilfliche Technik (hier CTG) oftmals in ihren Möglichkeiten überschätzt wird und kritische Situationen – so gerne wir das hätten – doch nicht vorhersehbar sind. Hier wären eine gute Patientenbeobachtung und die adäquate Einschätzung aufgrund von Fachwissen und Erfahrung wesentlich hilfreicher gewesen.

Daher wäre für mich die vordringlichste Konsequenz aus diesem Fall, dafür zu sorgen, dass auf präpartalen Stationen entweder geburtshilflich speziell ausgebildetes Personal eingesetzt wird oder zumindest das vorhandene Personal durch regelmäßige Fortbildungen einzuschätzen lernt, wann Fachkräfte gerufen werden müssen. Die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege kann und wird es nicht leisten können, solche Situationen adäquat einzuschätzen.

Ich kann in diesem Fall keine schwerwiegenden Fehler erkennen und danke Ihnen für den Mut, den Fall zu veröffentlichen und uns damit die Möglichkeit zu geben, daran zu lernen.

Susanne Mack, Dipl.-Pflegepädagogin und Hebamme, Saarbrücken

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