manuelletherapie 2011; 15(5): 187-188
DOI: 10.1055/s-0031-1281918
Leserbriefantwort

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Leserbriefantwort

L. Hirthe
  • 1Physiotherapie Hirthe
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
19. Dezember 2011 (online)

Liebe Frau Ehrchen,

herzlichen Dank für das Studium unseres Artikels und Ihren Leserbrief. Ihrer Meinung kann ich nur zustimmen. Auch in meiner therapeutischen Arbeit nehmen die Arbeitsplatzbedingungen bereits in der Anamnese einen wichtigen Platz ein. Weiter orientiert sich die Übungsauswahl vorrangig an folgenden Parametern: (1) Praktikabilität (nur so viel Zeitaufwand wie nötig, um wirksam zu sein, keine oder nur einfache Hilfsmittel werden benötigt), (2) Durchführung (zumindest einzelner Übungen) am Arbeitsplatz ist möglich und (3) evidenzbasierte Programme.

Selbstverständlich erfolgen (sofern dies von extern bzw. aus der Praxis heraus möglich ist) auch therapeutische Ratschläge und Hinweise zur Verbesserung der Arbeitsplatzsituation. Ich bin davon überzeugt, dass unser Arbeitsleben einen gewichtigen Anteil an der Entstehung und Begünstigung von orthopädischen und psychischen Erkrankungen hat. Hierbei ist es Aufgabe der Therapeuten, unvoreingenommen die beeinflussenden Faktoren zu ermitteln, auf sie einzuwirken und gegebenenfalls andere Berufsgruppen mit einzubeziehen.

Die Aussagekraft jeder wissenschaftlichen Publikation ist eingeschränkt. Eine Literaturarbeit muss sich natürlich begrenzen. Die Zusammenfassung von 51 Studienergebnissen ist schon eine Herausforderung. Neben der vorher festgelegten Thematik der Arbeit wurden z. B. Studien nicht eingeschlossen, die sich ausschließlich mit nur einem Geschlecht oder einer eingeschränkten Berufsgruppe wie Bürokräfte, Helikopterpiloten oder Armeeangehörige befassten. Aus diesem Grund (Zusammensetzung der Probanden) mussten 37 % der potenziell relevanten Literatur ausgeschlossen werden.

Ergonomieberatung am Arbeitsplatz erfordert ebenso wie Wirksamkeit von Arbeitsplatzprogrammen eine eigene wissenschaftliche Betrachtung. An dieser Stelle möchte ich Sie auf einige interessante Publikationen zu diesem Thema aufmerksam machen [1] [2] [3] [14] [15]. Ergänzend muss noch bemerkt werden, dass eine Vielzahl an Studien mit zusätzlicher therapeutischer Beratung und Instruktion arbeitete. Dies beinhaltete auch Beratung hinsichtlich Ergonomie [5] [8] [9] [13]. Dennoch lässt aufgrund des Designs nur die im Artikel erwähnte Arbeit von Moffet et al. [10] Rückschlüsse über den Wirkungsgrad der Beratung zu.

Aus weiteren Publikationen wissen wir um den Gewinn, der durch gezielte Patienteninformation erreicht werden kann [4] [6] [11]. Bekanntermaßen wünschen Patienten dies ausdrücklich und machen unter anderem an diesem Faktor auch die Therapeutenkompetenz fest [4]. Nach Praxiserfahrung können auch Patienten mit nach Gesichtspunkten der optimalen Ergonomie eingestellten Arbeitsplätzen Rückenschmerzen bekommen. Hierbei ist außerdem zu diskutieren, dass Patientenaufklärung im Sinne des biopsychosozialen Modells besser wirken kann als solche mit herkömmlichen Informationen wie Anatomie, Pathologie und Ergonomie [7]. Letztendlich ist die Ergonomie als ein wichtiger Bestandteil aber eben auch als ein Baustein von vielen innerhalb der Behandlung anzusehen.

Literatur

  • 1 Andersen L L, Kjaer M, Søgaard K et al. Effect of Two Contrasting Types of Physical Exercise on Chronic Neck Muscle Pain.  Arthritis & Rheumatism. 2008;  59 84-91
  • 2 Andersen L L, Andersen J L, Suetta C et al. Effect of contrasting physical exercise interventions on rapid force capacity of chronically painful muscles.  Journal of Applied Physiology. 2009;  107 1413-1419
  • 3 Blangsted A K, Søgaard K, Hansen E A et al. One-year randomized controlled trial with different physical-activity programs to reduce musculoskeletal symptoms in the neck and shoulders among office workers.  Scandinavian Journal of Work, Environment & Health. 2008;  34 55-65
  • 4 Dehn-Hindenberg A. Patientenbedürfnisse in der Physiotherapie. Kommunikation und Einfühlungsvermögen als zentrale Faktoren für einen erfolgreichen Therapieverlauf.  pt-Zeitschrift für Physiotherapeuten. 2007;  59 648-657
  • 5 Dusunceli Y, Ozturk C, Atamaz F et al. Efficacy of Neck Stabilization Exercises for Neck Pain: a randomized controlled study.  Journal of Rehabilitation Medicine. 2009;  41 626-631
  • 6 Egan Moog M. Nützliche Strategien für die Interaktion mit „problematischen (Schmerz-)Patienten“ in medizinisch-therapeutischen Berufen (Health Care Practitioners).  manuelletherapie. 2011;  15 33-40
  • 7 Geser T. Welchen Einfluss haben schriftliche Patienteninformationen in der Physiotherapie auf das Therapieresultat?.  manuelletherapie. 2009;  13 91-99
  • 8 Hurwitz E L, Morgenstern H, Harber P et al. A randomized trial of chiropractic manipulation and mobilization for patients with neck pain: clinical outcomes from the UCLA neck-pain study.  American Journal of Public Health. 2002;  92 1634-1641
  • 9 Jordan A, Bendix T, Nielsen H et al. Intensive training, physiotherapy, or manipulation for patients with chronic neck pain. A prospective, single-blinded, randomized clinical trial.  Spine. 1998;  23 311-319
  • 10 Moffett J K, Jackson D A, Richmond S et al. Randomised trial of a brief physiotherapy intervention compared with usual physiotherapy for neck pain patients: outcomes and patients’ preference.  British Medical Journal. 2005;  330 75
  • 11 Moseley G L, Nicholas M K, Hodges P W. A randomized controlled trial of intensive neurophysiology education in chronic low back pain.  The Clinical Journal of Pain. 2004;  20 324-330
  • 12 Ninkander R, Malkiä E M, Parkarri J et al. Dose-Response Relationship of Specific Training to Reduce Chronic Neck Pain and Disability.  Medicine & Science in Sports & Exercise. 2006;  38 2068-2074
  • 13 Palmgren P J, Sandstrom P J, Lundqvist F J et al. Improvement after chiropractic care in cervicocephalic kinesthetic sensibility and subjective pain intensity in patients with nontraumatic chronic neck pain.  Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics. 2006;  29 100-106
  • 14 Sjogren T, Nissinen K J, Jarvenpää S K et al. Effects of a workplace physical exercise intervention on the intensity of headache and neck and shoulder symptoms and upper extremity muscular strength of office workers: A cluster randomized controlled cross-over trial.  Pain. 2005;  116 119-128
  • 15 Tsauo J Y, Lee H Y, Hsu J H et al. Physical exercise and health education for neck and shoulder Complaints among sedentary workers.  Journal of Rehabilitation Medicine. 2004;  36 253-257

Leander Hirthe,
 

M.Sc. (PT/MT), Physiotherapie Hirthe

Am Haag 9

03149 Forst

eMail: Leander-Hirthe@t-online.de

    >