Kardiologie up2date 2012; 08(01): 83-93
DOI: 10.1055/s-0031-1291787
Aortenerkrankungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schwere Aortenklappenstenose trotz niedrigen Druckgradienten?

Nikolaus Jander
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
28. März 2012 (online)

Übersicht

Einleitung

Schweregradbestimmung von Aortenklappenstenosen

Schwere Aortenklappenstenose mit niedrigem Druckgradienten bei eingeschränkter Pumpfunktion

Schwere Aortenklappenstenose mit niedrigem Druckgradienten bei erhaltener Pumpfunktion

Abstract

A low transvalvular aortic gradient in patients with severe aortic stenosis can be due to severe left ventricular dysfunction. Most of these patients require valve replacement. If the benefit of the procedure is questioned dobutamine stress echocardiography may help to differentiate these patients. In patients with preserved ejection fraction a constellation of a severe aortic stenosis according to aortic valve area (< 1,0m2) but a non-severe stenosis according to mean pressure gradient (< 40 mmHg) is called „inconsistent grading“ or „low gradient severe aortic stenosis“. In these patients an advanced stage of disease is possible if the ejection fraction fails to correctly mirror left ventricular function as in coexisting mitral insufficiency or severe left ventricular hypertrophy. However, in most cases this constellation reflects measurement errors, low body size and/or inconsistencies in current guidelines and asymptomatic patients may safely be followed by clinical and echocardiographic monitoring.

Kernaussagen

Ein relativ niedriger Druckgradient bei schwerer Aortenstenosis ist bei stark eingeschränkter Pumpfunktion ein Ausdruck verminderter Pumpleistung.

  • Patienten mit dieser Konstellation müssen häufig einem Aortenklappenersatz zugeführt werden.

  • Bei Zweifeln am klinischen Nutzen eines Klappenersatzes kann die Dobutamin-Stress-Echokardiografie helfen, die Patienten zu differenzieren und bei der Risikoabschätzung hilfreich sein.

Ein relativ niedriger Druckgradient bei einer berechneten Aortenöffnungsfläche < 1.0 cm2 und normaler oder scheinbar normaler Ejektionsfraktion („inkonsistente Schweregradbestimmung“)

  • wird durch mehrere Faktoren begünstigt wie Messfehler, kleine Körpergröße und diskrepante Grenzwerte für eine schwere Aortenstenose in den gegenwärtigen Leitlinien.

  • Asymptomatische Patienten mit dieser Konstellation können weiter konservativ behandelt werden.

  • Bei symptomatischen Patienten sollte zunächst eruiert werden, ob die Beschwerden nicht auch andere Ursachen haben können (z. B. Koronare Herzkrankheit, Lungenerkrankung, Hypertonie, Adipositas).

Cave:

  • Es gibt eine Untergruppe von Patienten, bei denen eine „normale“ Ejektionsfraktion nicht eine normale Pumpfunktion widerspiegelt und tatsächlich eine hochgradige Aortenstenose mit eingeschränkter Pumpfunktion vorliegt. Deshalb muss bei allen symptomatischen Patienten mit „inkonsistenter Schweregradbeurteilung“ ein solch fortgeschrittenes Stadium der Aortenstenose ausgeschlossen werden.

  • Bei allen klinisch nicht sicher einschätzbaren Fällen muss eine weitere Abklärung erfolgen. Hierbei ist die Echokardiografie Mittel der ersten Wahl.