Dtsch Med Wochenschr 2011; 136(47): 2407-2413
DOI: 10.1055/s-0031-1292794
Originalarbeit | Original article
Kardiologie, Patientenaufklärung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Überprüfung des Patientenwissens nach Aufklärung vor invasiver Koronarangiographie

Validation of patients’ knowledge after informed consent prior to coronary angiography
A. Eran
1   Klinik III für Innere Medizin, Universität zu Köln
,
E. Erdmann
1   Klinik III für Innere Medizin, Universität zu Köln
,
D. Yüksel
1   Klinik III für Innere Medizin, Universität zu Köln
,
K. M. Dahlem
1   Klinik III für Innere Medizin, Universität zu Köln
,
F. Er
1   Klinik III für Innere Medizin, Universität zu Köln
› Author Affiliations
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Publication History

13 April 2011

04 August 2011

Publication Date:
17 November 2011 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Die Zustimmung des verständigen Patienten nach eingehender Aufklärung über Nutzen, Risiken und Alternativverfahren ist notwendig, bevor diagnostische und/oder therapeutische invasive Eingriffe durchgeführt werden dürfen. Bei juristischen Auseinandersetzungen, z. B. nach Komplikationen, wird diese erfolgte Aufklärung von manchen Patienten trotz nachgewiesener Dokumentation nicht selten bestritten. Wir haben in der vorliegenden Untersuchung überprüft, was Patienten nach optimaler Aufklärung gegenüber einer Standardaufklärung bzw. gar keiner Aufklärung noch wissen.

Patienten und Methodik: In der Kohortenstudie wurden konsekutiv insgesamt 300 Patienten in drei Gruppen untersucht. Bei 150 stationären Patienten erfolgte die standardisierte Aufklärung am Spätnachmittag vor dem Tag des Eingriffs von speziell dazu eingewiesenen Ärzten mit Hilfe eines kommerziell erhältlichen Aufklärungsbogens. Diesen „optimal“ aufgeklärten Patienten standen ambulant zugewiesene Patienten (n=50), die ihre Informationen von ihren jeweiligen Hausärzten bzw. Kardiologen erhalten hatten und nicht erneut in unserem Hause unterrichtet wurden, gegenüber.  Das Wissen dieser beiden Gruppen wurde mit dem von 100 stationären Patienten verglichen, bei denen das Aufklärungsgespräch noch nicht stattgefunden hatte.

Ergebnisse: Die anschließende Evaluation des Patientenwissens zeigte, dass sich die vermeintlich optimal aufgeklärten stationären Patienten nicht an mehr potenzielle Komplikationen erinnern konnten als ambulante Patienten. In beiden Gruppen fiel auf, dass sich die Patienten am Tage nach dem Aufklärungsgespräch grundsätzlich eher an die nicht so schwerwiegenden Komplikationen erinnern konnten als an die lebensgefährlichen. Unter den aufgeklärten Patienten behaupteten 2 (1 %), gar nicht aufgeklärt zu sein. Das Wissen von Patienten, die noch nicht aufgeklärt worden waren, war geringer als in den beiden anderen Gruppen.

Folgerungen: Der Zugewinn an Wissen durch eine vermeintlich optimale Aufklärung von Patienten erscheint gering. Trotz eingehender Aufklärung bleibt die Kenntnis der Patienten über die Art der Durchführung und die Risiken einer Herzkatheteruntersuchung schon am Folgetag begrenzt. Dennoch stellen wir fest, dass im Vergleich zu Patienten ganz ohne Aufklärung der Wissenszuwachs bei Patienten mit einer Aufklärung bedeutend ist.

Abstract

Background and objective: The informed consent of the patient is required before any medical intervention can be done. The impact of the provided information on the subsequent knowledge of the patient is regularly questioned. In the present investigation we aimed to determine the knowledge of the patients about invasive coronary angiography (CA) after they had been optimally vs. standard vs. not at all informed.

Patients and methods: 300 consecutive patients who were admitted for planned CA were included. Of these, 150 in-patients were informed by especially trained physicians one day before CA and 50 out-patients were informed by their general practitioner or cardiologist several days before admission. 100 in-patients were included before they were informed. In a standardized interview the predefined knowledge of the patients was assessed by an independent physician before CA in previously informed patients and after hospital admission in non-informed patients.

Results: The differences in knowledge between informed in- and out-patients were low. Especially their knowledge about potential complications was not different. Generally, patients could remember less serious complications better than life-threatening ones. Two previously informed patients (1 %) affirmed that they were not informed. The knowledge of non-informed patients was much lower than the knowledge of patients who had been informed.

Conclusion: The knowledge and remembrance of patients after having detailed information about medical interventions is limited. Optimization of the informative interview did not really improve this knowledge. In contrast to non-informed patients the provided information did, however, increase the knowledge.