Aktuelle Kardiologie 2012; 1(2): 118-127
DOI: 10.1055/s-0031-1298576
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Diagnostik und Interventionszeitpunkt bei Aortenklappenstenose und Mitralklappeninsuffizienz

Diagnosis and Timing for Intervention in Aortic Valve Stenosis and Mitral Valve Regurgitation
I. Kruck
1   Cardio Centrum Ludwigsburg
,
U. Wilkenshoff
2   Charité Berlin, Campus Benjamin-Franklin
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Publication Date:
18 June 2012 (online)

Zusammenfassung

Die Diagnostik der Aortenklappenstenose und der Mitralklappeninsuffizienz erfolgt in der Regel 3-stufig, wobei in einer ersten Stufe Basisdiagnostik und TTE, in der zweiten Stufe weiterführende bildgebende Verfahren (TÖE, 3-DE, MRT, CT) und in der dritten Stufe eine Herzkatheteruntersuchung stehen.

Die Echokardiografie ist für die Diagnostik von Klappenvitien die Methode der Wahl. Durch rasche Verfügbarkeit und Kosteneffizienz bietet sich die Methode auch für Follow-up-Untersuchungen an und ist als Untersuchungstechnik für die Terminierung des Interventionszeitpunkts allgemein akzeptiert. Engmaschige Kontrollen besonders bei asymptomatischen Patienten sind ohne Beeinträchtigung des Patienten möglich und erlauben eine gute Beurteilung des Vitiums im Verlauf. Die Schweregradbeurteilung des Klappenvitiums erfolgt anhand verschiedener echokardiografisch gemessener Parameter im TTE/TÖE. Die sich durch das Vitium ergebenden Folgen auf die systolische und diastolische LV-Funktion und auf das rechte Herz können mit der Echokardiografie ebenfalls erfasst werden und haben auch prognostische Bedeutung. Ein strukturiertes Vorgehen des Untersuchers mit entsprechender Expertise der verschiedenen echokardiografischen Techniken ist Voraussetzung für eine gute Befunderhebung. Die transösophageale 3-DE-Technik hat sich bei der Diagnostik von Mitral- und Aortenklappenvitien etabliert. Auch als Begleituntersuchung während und nach Klappeninterventionen hat die TÖE ihren Stellenwert. Eine vielversprechende neue Methode zur frühzeitigen Erfassung von LV-Funktionsstörungen bei Herzklappenvitien ist der 2-D-Strain, der zum gegenwärtigen Zeitpunkt für der Routinediagnostik jedoch noch nicht empfohlen werden kann. Bei Patienten mit Klappenvitien, insbesondere bei asymptomatischen Patienten, ist die Kombination der echokardiografischen Messergebnisse in Verbindung mit der Anamnese und Symptomatik wichtig für ein individuelles Therapiekonzept. Der Einsatz der Stressechokardiografie kann hilfreich sein bei der Entscheidungsfindung in der Festlegung des optimalen Interventionszeitpunkts. Neue echokardiografische und interventionelle Verfahren werden möglicherweise das Vorgehen bei Patienten mit AS und MI einschließlich der Festlegung des Interventionszeitpunkts beeinflussen und evtl. zukünftig sogar die aktuellen Empfehlungen zum Management dieser Vitien verändern.

Abstract

Diagnostic evaluation of aortic stenosis and mitral regurgitation can be performed in three steps: the first step includes history, symptoms, ECG and TTE, followed by TEE, 3-DE, MRI and CT. In the third step cardiac catheterization is performed if indicated. Echocardiography is the first choice in the diagnosis, quantification, follow-up and timing for intervention. The most important parameters for the evaluation of the severity of valve disease and the consequences on systolic and diastolic left ventricular and right ventricular function are obtained by 1-D/2-D-measurements in combination with Doppler parameters. The results are also of prognostic value. A combination of echocardiographic measurements, history and symptoms of patients with aortic stenosis and mitral regurgitation are essential for the optimal timing of an intervention or surgery. Echocardiography as a non-invasive method is ideal for short interval control in asymptomatic patients.

A systematic echocardiographic examination by an experienced echocardiographer with expertise in all echocardiographic techniques is essential. 3-D-echocardiography, especially 3-DE-TEE has proven to be useful before, during and after transcatheter valve interventions. Newer techniques like 2-D-strain (speckle tracking) can be used to obtain information of early onset global LV-dysfunction, but a broad application of this technique is not ready for use in daily practice. Latest echocardiographic and interventional techniques may influence and change current recommendations for interventions in the future.