NOTARZT 2012; 28(03): 114-118
DOI: 10.1055/s-0032-1304841
Originalia
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Vorhaltung von Antidota im Notarztdienst

Die Bremer Antidota-Liste als Diskussionsgrundlage für eine minimale Vorhaltung von AntidotaThe Bremen Antidote ListA List of Antidotes for Physician Equipped Ambulance Cars
A. Schaper
1   Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Universitätsmedizin Göttingen
,
G. Bandemer
2   Gesundheit Nord, Klinikum Links der Weser, Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Bremen
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
4   DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG, Filderstadt
5   ADAC Luftrettung GmbH, München
,
A. Callies
2   Gesundheit Nord, Klinikum Links der Weser, Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Bremen
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
4   DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG, Filderstadt
5   ADAC Luftrettung GmbH, München
,
C. Brau
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
J. Braun
4   DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG, Filderstadt
,
V. Dörges
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
P. Knacke
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
G. v. Knobelsdorff
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
H. Marung
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
C. Piscol-Haritz
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
M. Roessler
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
M. Ruppert
5   ADAC Luftrettung GmbH, München
,
J. Schimansky
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
V. Wenzel
6   Universitätsklinik für Anaesthesie und Allgemeine Intensivmedizin, Innsbruck, Österreich
,
S. Wirtz
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
,
H. Desel
1   Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Universitätsmedizin Göttingen
,
P. H. Tonner
2   Gesundheit Nord, Klinikum Links der Weser, Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Bremen
3   Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN)
4   DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG, Filderstadt
5   ADAC Luftrettung GmbH, München
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Publication History

Publication Date:
14 June 2012 (online)

Zusammenfassung

Bundesdeutsche Rettungsmittel halten eine Vielzahl von Antidota für Vergiftungsnotfälle vor. Der Rettungsdienst kommt zumeist mit Vergiftungsfällen in Berührung, die eine Störung der vitalen Funktionen bereits ausgelöst haben oder potenziell auslösen. Die notärztlichen Maßnahmen bestehen dabei in erster Linie nicht darin, vor Ort spezifische Antidota zu geben. Vielmehr wird der Notarzt symptomatische Maßnahmen bis hin zur künstlichen Beatmung vor Ort durchführen. Die Indikationen für eine Antidotgabe vor Ort sind selten. Die Autoren, überwiegend aktive Notärzte und Toxikologen, haben mit Mandat der Arbeitsgemeinschaft der in Norddeutschland tätigen Notärzte (AGNN) den Versuch unternommen, einen Vorschlag für eine sinnvolle Vorhaltung von Antidota auf notarztbesetzten Rettungsmitteln zu erarbeiten. Die Ergebnisse beruhen auf den Erfahrungen aus vielen Notarzteinsätzen. Die Toxikologen überblicken Giftnotrufe beim GIZ-Nord in Göttingen 1996−2010. Im Fortbildungsausschuss der AGNN wurde die erarbeitete Liste in den Jahren 2007 und 2008 diskutiert, auch erfolgte eine Diskussion auf der Fachtagung der Ärztlichen Leiter der Rettungsdienste 2009 in Erfurt. Beide Gremien unterstützen die Liste. Die auf Notarztwagen vorzuhaltenden Antidota können ohne Einschränkungen der Therapiequalität auf 5 im Notfall zu verwendende Substanzen reduziert werden: Atropin, 4-Dimethylaminphenol (4-DMAP), Naloxon, Toloniumchlorid, Aktivkohle. Diese generellen Empfehlungen müssen lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Es wird ein Vorschlag zur Reduktion der auf Noteinsatzfahrzeugen vorzuhaltenden Antidota gemacht. Die Liste der Antidota basiert auf einem niedrigen Evidenzniveau (Expertenmeinung), da eine ausreichende Studienlage nicht vorhanden ist. Basis der Liste ist daher die Erfahrung von Notärzten und Toxikologen. Die Liste ist eine Diskussionsgrundlage und soll zur Durchführung weitergehender Studien anregen.

Abstract

For poison related emergencies German ambulances are equipped with a big number of antidotes. However most intoxications are not treated specifically out of hospital by ambulance physicians. Ambulances are requested, when vital functions of a patient are jeopardised. In most cases symptomatic treatment is sufficient; including mechanical ventilation, whereas need for administration of a specific antidote is extremely rare. On behalf of the Working Group of Northern German Emergency Physicians (AGNN) the authors, all of them emergency physicians and toxicologists, developed a list of antidotes necessary in the out-of-hospital emergency setting. The results are based on the experience of thousands of treated emergencies and on the calls to the GIZ-Nord Poisons Centre Göttingen from 1996 to 2010. The list was discussed by the Board of Continuing Education of the AGNN as well as at a meeting of Medical Directors of Emergency Services. Both boards supported the list of antidotes. Without reduction of quality of care antidotes held available in an ambulance car can be reduced to 5 substances: atropine, 4-DMAP, naloxone, tolonium chloride, activated charcoal. This general recommendation has to be adjusted to local conditions. A list of antidotes that need to be carried by an ambulance car is proposed. Due to a lack of studies the list has a low evidence level (expert judgement). It is based on the experience of emergency physicians and toxicologists. The list is thought to provoke a discussion among experts and to prompt further studies on the use and usefulness of antidotes.