Psychiatr. Psychother. Up2date 2012; 6(04): 293-308
DOI: 10.1055/s-0032-1304958
Psychische Störungen bei körperlichen Faktoren
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Claas Lahmann, Winfried Häuser, Andreas Dinkel
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Publication Date:
09 July 2012 (eFirst)

Kernaussagen
  • Etwa 50 % der Patienten, die sich mit rezidivierenden oder mehr als 6 Monate persistierenden gastrointestinalen Beschwerden beim Allgemeinarzt oder Gastroenterologen vorstellen, leiden an einer funktionellen gastrointestinalen Störung.

  • Funktionelle gastrointestinale Störungen lassen sich durch eine angemessene organmedizinische Diagnostik und eine ausführliche Anamnese hinreichend verlässlich diagnostizieren.

  • Die Rom-III-Klassifikation liefert eine umfangreiche Beschreibung funktioneller gastrointestinaler Störungen; in der psychosozialen Medizin wird die Diagnose einer somatoformen Störung vergeben.

  • Patienten mit funktionellen gastrointestinalen Beschwerden haben ein erhöhtes Risiko für komorbide psychische Belastungen und Beeinträchtigungen.

  • Patienten im psychosomatischen oder psychiatrischen Versorgungsbereich leiden ebenfalls häufig unter komorbiden funktionellen gastrointestinalen Syndromen.

  • Führen medikamentöse Behandlungsversuche nicht zum Erfolg oder besteht eine psychische Komorbidität, sollte eine psychosomatische oder psychotherapeutische Behandlung initiiert werden. Ebenso kann eine psychopharmakologische Behandlung hilfreich sein.

  • Die therapeutische Interaktion wird oft als anstrengend und frustrierend erlebt. Daher sollte die therapeutische Beziehung aktiv gestaltet werden; eine psychosoziale Perspektive kann schrittweise in die therapeutische Arbeit eingeführt werden.