PSYCH up2date 2012; 6(05): 309-323
DOI: 10.1055/s-0032-1304960
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Autismus-Spektrum-Störungen – von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter

Tanja Maria Michel
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Publication Date:
31 August 2012 (online)

Kernaussagen

Die Symptomtrias Störung der sozialen Interaktion und Kommunikation und eng umgrenzte Verhaltensweisen und Interessen sind charakteristisch für die tiefgreifende Entwicklungsstörung Autismus. Um der Unterschiedlichkeit der Symptomausprägung, der intellektuellen Begabung, des sozialen Funktionsniveaus und auch letztlich der Individualität der Betroffenen Ausdruck zu verleihen, setzt sich der Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASD) zunehmend durch.

Die Hauptformen sind der frühkindliche Autismus, mit einer Sprachentwicklungsstörung innerhalb der ersten 3 Lebensjahre und das sog. Asperger-Syndrom. Letzteres ist eine Begrifflichkeit von unsicherer nosologischer Prägnanz, die durch dieselbe Form qualitativer Beeinträchtigungen der für frühkindlichen Autismus typischen Symptomtrias gekennzeichnet ist. Per definitionem weisen Menschen mit Asperger-Syndrom keine signifikanten Sprachentwicklungsstörungen auf. Davon abzugrenzen ist der „atypische Autismus“.

Insgesamt weisen Autismus-Spektrum-Störungen eine sehr hohe Prävalenz von 1 % auf. Die Ätiologie ist noch weithin ungeklärt, allerdings scheinen hereditäre Faktoren eine übergeordnete Rolle zu spielen. Zur Differenzialdiagnose ist eine gründliche medizinisch-neurologische, testpsychologische und psychiatrische Untersuchung und Anamneseerhebung nötig. ASD können sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter diagnostiziert werden. der Beginn der Erkrankung ist jedoch immer in der Kindheit. Die autismusspezifischen Therapien werden besonders in lokalen Autismustherapiezentren durchgeführt. Die Behandlung psychiatrischer und medizinischer Komorbiditäten stellt eine besondere Herausforderung dar. Verschiedene, insbesondere psychotherapeutische Maßnahmen können den Patienten helfen, mit den Symptomen besser umzugehen. Eine komplette Heilung gibt es derzeit nicht.