Psychiatr. Psychother. Up2date 2012; 6(04): 229-244
DOI: 10.1055/s-0032-1305050
Psychische Störungen bei körperlichen Faktoren
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erweiterte kognitive Verhaltenstherapie der Essstörungen

Sebastian Rudolf, Julia Czaja, Ulrich Schweiger
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Publication Date:
09 July 2012 (online)

Kernaussagen

Bei der CBT-E handelt es sich um eine konsequente Weiterentwicklung des kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatzes zur Behandlung der Essstörungen. Dabei sind sowohl neue Erkenntnisse aus der Nosologie und Psychopathologie als auch Fortschritte innerhalb der Verhaltenstherapie eingegangen. Wesentliche Punkte sind:

  • transdiagnostischer Ansatz mit einer Therapiemethode für Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung und NNB-Essstörung

  • Fokussierung der Therapie auf die zentrale Psychopathologie (Überbewertung von Figur und Gewicht und die Kontrolle darüber) sowie auf zugehörige Verhaltensweisen (z. B. Checking-Behavior, restriktives Essverhalten, stimmungsabhängiges Essverhalten)

  • Dezentrierung der Aufmerksamkeit von Figur und Gewicht weg und Zentrierung hin auf wertgeschätzte Lebensbereiche: Hier sind Einflüsse von Steven Hayes sichtbar.

  • Verzicht auf die Technik der kognitiven Umstrukturierung: Hier fließt die zunehmend kritische Sicht innerhalb der VT-Szene bezüglich dieser spezifischen Technik ein (Longmore).

  • Rückbesinnung auf die Technik Verhaltensbeobachtung mit Selbstbeobachtung in Echtzeit

  • Integration von verhaltenstherapeutischen Techniken zur Behandlung von Perfektionismus (Shafran) und emotionaler Instabilität (Linehan)

Aus dieser Auflistung wird ersichtlich, dass sowohl eine Weiterentwicklung von Elementen der ersten und zweiten Welle der Verhaltenstherapie stattgefunden hat, aber auch Themen der sog. dritten Welle aufgegriffen wurden.

CBT und seine jetzige Form CBT-E ist die am besten wissenschaftlich untersuchte Methode der Essstörungsbehandlung. In den englischen NICE-Leitlinien wird sie als die Methode der Wahl für die Behandlung der Bulimia nervosa bezeichnet. Weitere neuere Studien zeigen, dass ein transdiagnostischer Einsatz dieser Methode vielversprechend ist.