Inf Orthod Kieferorthop 2012; 44(03): 193-197
DOI: 10.1055/s-0032-1323788
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss des Herbstscharniers auf den nasopharyngealen Raum

Influence of the Herbst Appliance on the Nasopharyngeal Airway SpaceF. Richter1, U. Richter1
  • 1Kieferorthopädische Fachpraxis, Würzburg
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Publication Date:
18 October 2012 (online)

Zusammenfassung

Herbst-Scharnierbehandlungen haben einen positiven Einfluss auf den retropharyngealen Raum im Sinne einer Erweiterung der oberen Atem­wege.

Eine Therapie bei leichten bis mittelschweren Apnoen bei Vorliegen einer Retrognathie des Unterkiefers führt sowohl zu einem Ausgleich der Dysgnathie als auch zu einer Reduzierung der Obstruktion.

Somit stellt diese Behandlung eine präventive Maßnahme für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) dar und kann ggf. auch als eine Alternative zu einer chirurgischen Umstellungsosteotomie zur Therapie einer obstruktiven Schlafapnoe gelten.

Auch bei Kindern und Jugendlichen kann, bei entsprechender Anomalie, die mandibuläre Frontalentwicklung mit dem Herbstscharnier als primäre Prävention eines OSAS angesehen werden.

Vor diesem Hintergrund sollte jede Camouflage-Behandlung im Sinne einer Extraktionstherapie im Oberkiefer überdacht und wenn möglich vermieden werden, da diese Therapie unweigerlich eine Verkleinerung der Maxilla und damit eine verbleibende retrale Lage des Unterkiefers manifestiert.

Abstract

Treatment with the Herbst appliance has a positive influence on the retropharyngeal space, with regard to an enlargement of the upper airway space. The Herbst appliance is an option, if a retrognathic mandible leads to a milder form of an apnea syndrome. Once the anomaly is treated, the obstructions decrease.

Therefore this treatment can be seen as a preventive option to hinder an obstructive sleep apnea syndrome (OSAS) and can be an alternative to osteotomy.

In case of mandibular retrognathia in children and adolescents Herbst appliance treatment can be considerd as a preventive treatment to avoid OSAS.

In view of this background, camouflage treatment with extraction in the upper jaw is not advisable, because a maxillary hypoplasia may cause a permanent mandibular retrodisplacement.