Akt Rheumatol 2013; 38(01): 37
DOI: 10.1055/s-0033-1333779
Editorial
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Zwölf Jahre Celecoxib – eine Bestandsaufnahme

12 Years Celecoxib – A Status Report
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Publication Date:
27 February 2013 (online)

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Prof. Dr. med. Hubert Nüßlein

Ende 2004 wurde Rofecoxib (VioxxR) überraschend vom Markt genommen. Es waren insbesondere in einer Studie, die das Wirkprinzip der selektiven COX-2-Hemmung für die Prävention von Kolonpolypen untersuchte, unter einer hochdosierten Rofecoxib-Gabe vermehrt kardiovasku­läre Ereignisse aufgetreten. Die Nachricht war das bestimmende Thema beim praktisch zeitgleich stattfindenden ACR Kongress in San Antonio. Auch über die nächsten Jahre wurde sehr intensiv um das Thema kardiovaskulärer Nebenwirkungen von Coxiben aber auch nichtselektiver NSAR gerungen und teilweise auch unfair diskutiert. Auf der einen Seite gab es die „bösen“ selektiven COX-2-Hemmer, auf der andern die „guten, bewährten“ traditionellen nichtselektiven NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac & Co. Es dauerte lange, bis die Erkenntnis reifte und vor allem auch behördliche Anerkennung fand, dass bei allen NSAR ein gewisses kardiovaskuläres Risiko beinhaltet sein kann. Bei dieser Diskussion wurde völlig außer acht gelassen, dass die Coxibe als neue Medikamentenklasse „designed“ worden waren, um die gefürchteten gastrointestinalen Blutungen, die bei traditionellen NSAR eine bekannte und häufig tödliche Nebenwirkung darstellten zu reduzieren. Eine faire Abwägung gegenüber einem sehr gering erhöhten CV-Risiko fand nicht statt. Die Coxibe standen in ständigem Rechtfertigungszwang und mussten neue Studien auflegen, was nicht zuletzt auch dazu führte, dass alleine für Celecoxib über 300 Studien durchgeführt wurden, was diese Substanz zu ­einer der am besten untersuchten überhaupt macht. Heute sind die meisten Fakten geklärt, dennoch haben sich nach dem negativen Image der ersten Jahre die Coxibe auf dem deutschen Markt trotz des vorteilhaften Nutzen-/Risikoverhältnisses nicht mehr gut durchsetzen können. Das wird sich vermutlich in wenigen Jahren ändern, wenn der Patentschutz für Celecoxib ausgelaufen ist und die dann günstiger verfügbare Substanz als „gut und bewährt“ eingeordnet werden wird.

Wigand und Kollegen haben für diese Ausgabe der Aktuellen Rheumatologie eine sehr gelungene Bestandsaufnahme zum am längsten am Markt befindlichen selektiven COX-2-Hemmer, Celecoxib, verfasst. Es werden sowohl die historischen Entwicklungen spannend dargestellt wie aber auch die aktuelle Datenlage erörtert. Die Arbeit zeigt die Fakten zur analgetischen und antiphlogistischen Wirksamkeit, gastrointestinalen und kardiovaskulären Sicherheit und geht auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ein. Schließlich wird auch klar dass weitere Potenziale wie mögliche antiproliferative und tumorstatische Wirkungen noch nicht hinreichend exploriert sind.

Gibt es Celecoxib wirklich schon 12 Jahre?

Hubert Nüßlein