Inf Orthod Kieferorthop 2013; 45(01): 58
DOI: 10.1055/s-0033-1341496
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Sverker Toreskog, 1936–2013

B. U. Zachrisson, O. Norwegen
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Publication Date:
28 April 2013 (online)

Sverker Toreskog ist am 13. Februar 2013 nach längerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstorben. Obwohl eigentlich Prothetiker, war Sverker unter Kieferorthopäden wohl bekannt. Er war eine der Schlüsselfiguren in unserem skandinavischen interdisziplinären Team von Zahnärzten und hielt in dieser Funktion weltweit Vorträge vor Kieferorthopäden. Im Gegensatz zum traditionellen prothetischen Vorgehen, bei dem Zähne vor ihrer Versorgung mit Zahnersatz unter großem Verlust an Zahnhartsubstanz präpariert werden, eröffneten Sverkers minimalinvasive und ästhetische Klebeverfahren für Keramik eine Fülle von Möglichkeiten. Ich begegnete Sverker zum ersten Mal im Jahr 1991, als wir beide in Gausdal, einem Ferienort in den Bergen Norwegens, zu Vorträgen vor Allgemeinzahnärzten eingeladen waren. Wir schlossen uns damals sofort zusammen, wurden enge Freunde und riefen ein interdisziplinäres Team von Zahnärzten ins Leben, das über 20 Jahre lang Bestand hatte.

Nach Beendigung seiner Ausbildung an den Royal Dental Schools von Umeå und Stockholm ging er nach Amerika und absolvierte von 1962–1964 an der Indiana University School of Dentistry eine Weiterbildung zum M.S.D. (Master of Science in Dentistry) mit dem Schwerpunkt „Kronen, Brücken und zahnmedizinische Werkstoffe“. Nach seiner Rückkehr eröffnete er in Göteborg eine private Praxis, in der er seitdem gearbeitet hatte.

In Folge seines Aufenthaltes in Amerika führte er die Metallkeramik in Skandinavien ein und hielt unzählige Vorträge zu diesem Themenbereich. Da er alle seine Behandlungsfälle fotografisch dokumentierte fiel ihm im Lauf der Zeit auf, dass es an Metallkeramikkronen häufig zu labialen Rezessionen der Gingiva gekommen war und dass die dunkleren Oberflächen der Zahnwurzeln freilagen. Nachdem die Konzeption der Keramikveneers im Jahr 1985 vorgestellt worden war, wurde es möglich, das natürliche Licht auf die Wurzeloberflächen zu reflektieren und er löste sich vom Konzept der Metallkeramik. Seit dieser Zeit haben Sverker und sein Chefzahntechniker Claes Myrin ihre Verfahren zur Herstellung von immer dünneren geklebten Keramikveneers immer weiter verbessert und entwickelt.

Diese konservierende Alternative zur traditionellen Krone bildete die Grundlage für unsere Zusammenarbeit. Die Kombination von kieferorthopädischer Behandlung junger und erwachsener Patienten mit Sverkers ästhetischen Restaurierungen ermöglichte es uns, selbst bei der Behandlung schwieriger und komplizierter Fälle, wie etwa beim traumatischen Verlust eines oder mehrerer oberer Schneidezähne bei Kindern, exzellente Kurz- und Langzeitergebnisse zu erzielen. Besonders Sverkers Umgestaltungen von in die obere Frontzahnregion autotransplantierten Prämolaren waren von natürlichen oberen Schneidezähnen nicht zu unterscheiden.

Wir haben unsere gemeinsamen Ergebnisse auf etlichen Konferenzen in den USA vorgestellt, darunter den Jahresversammlungen der American Association of Orthodontists (AAO), den New Conn Growth Seminars und den gemeinsamen Kongressen von AAO und American Association of Prosthodontists. Ein Höhepunkt war dabei unser 3-stündiger Vortrag im Rahmen der ganztägigen wissenschaftlichen Sektion zu interdisziplinärer Behandlung (Special All-Day Scientific Session on Interdisciplinary Care) bei der Tagung der AAO 1999 in San Diego. Dort präsentierten wir uns als „Team Europa“ und erhielten stehende Ovationen. Weitere denkwürdige Ereignisse waren Kurse in Südafrika, Australien, Neuseeland, Israel, Brasilien, Peru, in der Dominikanischen Republik, in Saudi Arabien und in mehreren europäischen Ländern.

Als Zahnarzt bestand Sverker darauf, dass er den schönsten aller Berufe hätte: 1/3 klinische Wissenschaft, 1/3 Kunstfertigkeit und 1/3 Kontakt mit Menschen. Er war ein echter Künstler, der es liebte, auf einer Bühne zu stehen und zu unterrichten und er unterstrich seine Argumente häufig mit einem Musikstück. Er war ein heiterer Mensch und sah in jeder Person, die ihm begegnete, die positive Seite. Als Dozent war er immer auf der Höhe der Zeit, neugierig und kenntnisreich. Seine unvergleichliche Popularität verdankt er seiner außergewöhnlichen Großzügigkeit und seiner großen menschlichen Wärme. Bei offiziellen Gelegenheiten trug er nie einen Schlips und war anhand seiner großen Sammlung von roten Schals und Schuhen leicht zu erkennen. Am 31. Dezember 2012, seinem 76. Geburtstag, lud er einige enge Freunde zu einem „kleinen“ Empfang zu sich ins Hospiz ein. Es kamen beinahe 100 Gäste, die ergriffen lauschten, als er seine Lieblingsstücke anstimmte „What a wonderful world“ und, das war bemerkenswert, „I did it my way“!

Er hinterlässt seine Frau Agneta und seine 4 Kinder Pelle, Beata, Fredrik und Martin.

Björn U. Zachrisson

Oslo, Norwegen