Psychiatr Prax 2013; 40(07): 365-367
DOI: 10.1055/s-0033-1349560
Editorial
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Psychiatrie im Spannungsfeld zwischen Gefahrenabwehr und Therapie: Zwangsbehandlung in der Zeit nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs

Psychiatry Caught Between Emergency Response and Therapy: Compulsory Treatment Following the Jurisprudence of the Federal Constitutional Court and the Federal Supreme Court
Jürgen L. Müller
1   Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen
,
Peter Falkai
2   Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum der Universität München
,
Frank Schneider
3   Medizinische Fakultät der RWTH Aachen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen
,
Iris Hauth
4   Klinik St. Joseph-Krankenhaus, Berlin-Weißensee
,
Wolfgang Maier
5   Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn
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Publication History

Publication Date:
07 October 2013 (online)

Mit Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 23.03.2011 (2 BVR 882 – 09) wurde das Maßregelvollzugsgesetz Rheinland-Pfalz für verfassungswidrig erklärt, soweit es Behandlungen und Untersuchungen zur Erreichung des Vollzugsziels ohne Einwilligung des untergebrachten Patienten zuließ. Dem Gesetzgeber wurde auferlegt, verfassungskonforme rechtliche Grundlagen für eine medikamentöse Zwangsbehandlung zu schaffen. Angesichts der Schwere des Eingriffs in die Grundrechte des Betroffenen knüpfte das BVerfG die Zulässigkeit einer medikamentösen Zwangsbehandlung an hohe rechtliche Hürden.