PSYCH up2date 2013; 7(06): 349-360
DOI: 10.1055/s-0033-1349605
Affektive Störungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Achtsamkeit als Rückfallprophylaxe bei Depressionen

Thomas Heidenreich
,
Katharina Rohde
,
Johannes Michalak
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Publication History

Publication Date:
02 October 2013 (online)

Kernaussagen
  • Verantwortlich für das hohe Rückfallrisiko bei Depressionen ist aus Sicht kognitiver Theorien ein Aufschaukelungsprozess aus der leichten Reaktivierbarkeit dysfunktionaler Grundannahmen durch moderat dysphorische Stimmung und der daran anschließenden Grübelprozesse.

  • Als Rückfallprophylaxe von Depressionen wurde die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie entwickelt. Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Augenblick zu richten, ohne dabei zu werten.

  • Eine zentrale Fertigkeit, die im Rahmen von MBCT erlernt wird, ist die Disidentifikation von Gedanken. Dies bedeutet, dass Gedanken nicht mehr als feststehende Tatsachen angesehen werden, sondern als das, was sie tatsächlich sind: mentale Ereignisse. Durch den lebendigen Kontakt mit dem Hier und Jetzt kann die Reichhaltigkeit jedes Augenblicks enthüllt werden.

  • Die empirische Überprüfung mittels randomisiert kontrollierter Studien hat ergeben, dass MBCT bei Patienten mit mindestens 3 depressiven Episoden in der Vergangenheit ebenso wirksam ist wie eine medikamentöse Behandlung, die dem aktuellen Goldstandard in der Behandlung von Depressionen entspricht. Ein Vergleich von MBCT mit psychotherapeutischen Behandlungsansätzen steht noch aus, ebenso die Frage, inwieweit die Achtsamkeit des Therapeuten einen Einfluss auf den Behandlungserfolg hat.

  • Insbesondere für Patienten, bei denen bisherige Behandlungsmethoden nicht greifen, ist MBCT möglicherweise eine vielversprechende Alternative.