NOTARZT 2013; 29 - A2
DOI: 10.1055/s-0033-1350092

Qualitätsmanagement der Thoraxkompression und das Primärüberleben bei der Reanimation: Eine registerbasierte matched-pair Analyse

RP Lukas 1, JT Gräsner 1, S Seewald 1, R Lefering 1, TP Weber 1, H Van Aken 1, M Fischer 1, A Bohn 1
  • 1Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Münster, Münster

Einleitung: Den Einfluss von verschiedenen Therapiestrategien auf den Erfolg einer Reanimation (ROSC = Wiedereinsetzen eines Spontankreislaufes) zu untersuchen bleibt sehr schwierig. Der „RACA Score“ (ROSC after Cardiac Arrest Score) [1] wurde entwickelt um einen Vergleich zwischen beobachtetem und vorhergesagtem Primärüberleben zu ermöglichen. Damit können Einflüsse von verschiedenen Therapiestrategien auf das Primärüberleben analysiert werden. Um den Einfluss eines Qualitätsmanagements für die präklinische Reanimation (bestehend aus Training, Echtzeit-Feedback System und Debriefing) [2] im Vergleich zu einer konventionellen Reanimation zu untersuchen, führten wir diese registerbasierte matched-pair Analyse durch.

Methoden: Mithilfe des deutschen Reanimationsregisters untersuchten wir alle 9472 nicht-traumatischen präklinischen Reanimationen im Zeitraum Januar 2007 bis März 2011.

Nach statistischer Fallpaarung mit unabhängigen Variablen für das Primärüberleben erhielten wir je 319 Paare in der Gruppe konventionelle Reanimation und der Gruppe mit Qualitätsmanagement der Thoraxkompression.

Ergebnisse: Das vorhergesagte Primärüberleben (Patienten mit Wiedereinsetzen eines Spontankreislaufes) betrug in beiden Gruppen 45%. Das tatsächlich beobachtete Primärüberleben stieg in der Gruppe mit Qualitätsmanagement der Thoraxkompression signifikant an (52% beobachteter ROSC vs. 45% vorhergesagter ROSC; p = 0,013, 95% CI, 46 – 57%). Keine signifikanten Unterschiede zwischen vorhergesagtem und beobachtetem Primärüberleben zeigte sich in der Gruppe der konventionellen Reanimation (47% beobachteter ROSC vs. 45% vorhergesagter ROSC; p = 0,32, 95% CI, 42 – 53%). Die Vergleich zwischen der Gruppe Reanimation mit QM gegenüber der Gruppe mit konventioneller Reanimation unterschied sich hinsichtlich der beobachteten Primärüberlebensraten (52% vs. 47%; p = 0,25) und der Krankenhausaufnahme (49% vs. 44%; p = 0,15) nicht signifikant.

Interpretation: Ein Qualitätsmanagement für die Thorax-Kompression bei der präklinischen Reanimation führt zu signifikant höheren Überlebensraten als mittels RACA-Score vorhergesagt. Die matched-pair Analyse zeigte keine Unterschiede im direkten Vergleich der Überlebensraten zwischen der Gruppe Reanimation mit Qualitätsmanagement vs. konventionelle Reanimation, obwohl ein Trend zum höheren Überleben in der Qualitätsmanagement Gruppe auftrat. Es bleibt unklar welches der Bestandteile des Qualitätsmanagement (Training, Echtzeit-Feedback System, Debriefing) zu diesen Ergebnissen führt.

Literatur:

[1] Gräsner et al. ROSC after cardiac arrest-the RACA score to predict outcome after outof-hospital cardiac arrest. Eur Heart J. 2011;32(13):1649 – 1656

[2] Edelson DP et al. Improving in-hospital cardiac arrest process and outcomes with performance debriefing. Arch Intern Med. 2008 May 26;168(10):1063 – 1069