Frauenheilkunde up2date 2015; 9(2): 153-164
DOI: 10.1055/s-0033-1358128
Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das ovarielle Überstimulationssyndrom – OHSS

Christoph Keck
,
Sabine Segerer
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Publication History

Publication Date:
21 April 2015 (online)

Kernaussagen

Das ovarielle Überstimulationssyndrom kann im Rahmen einer reproduktionsmedizinischen Stimulationstherapie entstehen. Es ist charakterisiert durch eine gesteigerte Gefäßpermeabilität. Mit zunehmendem Schweregrad des OHSS treten neben vergrößerten Ovarien klinische Komplikationen auf in Form von Aszites, Pleura- und Perikardergüssen sowie thromboembolische Risiken. Therapeutische Maßnahmen umfassen – je nach Schweregrad – die Regeneration des Flüssigkeitshaushalts, eine Heparinisierung und bei hohem Leidensdruck der Patientin die Aszites- bzw. Pleurapunktion. In schweren Fällen ist eine stationäre Aufnahme notwendig, um auch die Nierenfunktion überwachen zu können. Bei erhöhtem OHSS-Risiko sollte ein Antagonistenprotokoll mit GnRH-Trigger zur Ovulationsinduktion und konsekutivem „freeze all“ erfolgen, da hierdurch die Inzidenz des Early- und Late-Onset-OHSS reduziert wird. Weitere präventive Maßnahmen stellen die Gabe von Cabergolin und Metformin (off-label!) dar. Eine Prävention des OHSS lässt sich fördern durch ein angepasstes Stimulationsprotokoll speziell bei Risikopatientinnen, ggf. ergänzt durch die Gabe von Metformin. So konnte in den vergangenen Jahren trotz der Zunahme von Behandlungen im Rahmen der Reproduktionsmedizin durch die genannten präventiven Maßnahmen die Inzidenz des OHSS insgesamt gesenkt werden.