Frauenheilkunde up2date 2015; 9(04): 291-312
DOI: 10.1055/s-0033-1358145
Gynäkologische Spezialgebiete und Methoden
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Beckenboden nach Schwangerschaft und Geburt

Anne Fürmetz
,
Katharina Jundt
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Publication Date:
24 August 2015 (online)

Kernaussagen
  • Schwangerschaft und Geburt bedeuten für den weiblichen Beckenboden eine Mehrbelastung sowie strukturelle und funktionelle Veränderungen.

  • Die vaginale Geburt ist der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Störungen der Beckenbodenfunktion wie Inkontinenz und Lageveränderungen der Genitalorgane.

  • Eine Schnittentbindung kann das Auftreten von Symptomen einer Beckenbodenschwäche nicht verhindern, kann jedoch als Sekundärprävention im Falle einer erneuten Schwangerschaft diskutiert werden.

  • Die gezielte Frage nach Symptomen einer Urininkontinenz, Stuhl- oder Windinkontinenz sowie eines Deszensusgefühls oder einer Dyspareunie im Rahmen der gynäkologischen Konsultation ist wichtig.

  • Bei der Versorgung von Geburtsverletzungen sollte zum Ausschluss einer okkulten Sphinkterverletzung immer eine digitale rektale Untersuchung erfolgen.

  • Eine Identifizierung und ggf. Rekonstruktion des internen Analsphinkters sollte bei ausgedehnten Verletzungen immer angestrebt werden.

  • Allen Wöchnerinnen sollte die konsequente Durchführung einer Rückbildungsgymnastik empfohlen werden.

  • Ein frühzeitiges Beckenbodentraining nach höhergradigen Dammverletzungen ist besonders wichtig.

  • Bei Auftreten einer Urininkontinenz sollte eine gründliche urogynäkologische Diagnostik zur Identifizierung der Ursache und Form der Inkontinenz erfolgen, um eine adäquate Therapie gewährleisten zu können.

  • Beim Auftreten einer Urininkontinenz oder Drangsymptomatik sollte immer eine Urindiagnostik zum Ausschluss einer Infektion oder Mikrohämaturie erfolgen.

  • Die Sonografie ist der derzeitige Goldstandard in der morphologischen Diagnostik von Inkontinenz- und Beckenbodenfunktionsstörungen.

  • Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den urologischen und proktologischen Kollegen wird empfohlen.

  • Die Notwendigkeit einer psychosomatischen Mitbetreuung sollte geprüft werden.

  • Die Ausschöpfung von konservativen Therapieoptionen vor Entscheidung zu einer chirurgischen Intervention sollte bei allen Symptomen einer postpartalen Beckenbodenschwäche erfolgen.