Der Klinikarzt 2014; 43(3): 136-139
DOI: 10.1055/s-0034-1373726
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Hochdruckkrise – Klinische Erscheinungsformen und therapeutisches Management

Hypertensive crisis –Clinical presentation and therapeutic management
Tomas Lenz
1  KfH Nierenzentrum, Ludwigshafen
,
Joachim Hoyer
2  Klinik für Innere Medizin und Nephrologie, Universitätsklinikum der Philipps-Universität Marburg, Marburg
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Publication Date:
25 March 2014 (online)

Eine Hochdruckkrise mit sehr stark erhöhten Blutdruckwerten entwickelt sich in der Regel innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen auf dem Boden einer bereits bestehenden Hypertonie; Krisen bei sonst normotonen Individuen sind selten (z. B. beim Phäochromozytom/Paragangliom). Charakterisiert ist die hypertensive Krise nicht in erster Linie durch die absolute Höhe des Blutdrucks (meist jedoch > 180 mmHg systolisch und/oder > 120 mmHg diastolisch), sondern durch das Auftreten von gefährdenden Symptomen. Zum Notfall wird die hypertensive Krise, wenn es zu lebensbedrohlichen Organschädigungen wie Enzephalopathie, Linksherzversagen, akutem Koronarsyndrom, Aortendissektion und anderen schwerwiegenden Komplikationen kommt. In diesen Fällen ist meist eine sofortige medikamentöse Blutdrucksenkung unter stationären, oft intensivmedizinischen Bedingungen, unumgänglich. Bei einer weniger schwerwiegenden Blutdruckentgleisung ohne Hinweise auf lebensbedrohliche hypertensive Organschädigung ist eine medikamentöse Blutdrucksenkung – als Ursache finden sich nicht selten eine Unterbrechung der Medikamenteneinnahme und Angstzustände – meist unter ambulanten Bedingungen möglich. Die Intensität der anzustrebenden Blutdruckabsenkung orientiert sich am klinischen Erscheinungsbild. Beim Lungenödem aufgrund eines akuten Linksherzversagens oder bei Aortendissektion ist eine rasche und starke Blutdrucksenkung erforderlich. In den meisten anderen Fällen sollte die Absenkung nicht zu energisch betrieben werden (< 25 % Reduktion in den ersten Stunden), um eine Minderperfusion des Gehirns zu vermeiden; besonders bei Patienten mit einem akuten ischämischen Insult sollte initial keine oder eine Absenkung nur sehr vorsichtig erfolgen.

Hypertensive emergencies / urgencies are defined as large elevations of systolic (> 180 mmHg) and/or diastolic blood pressure (> 120 mmHg) values in hypertensive or rarely in normotensive individuals (e. g. pheochromocytoma / paraganglioma), associated with impending or progressive organ damage such as encephalopathy, acute left ventricular failure, acute coronary syndrome or aortic dissection and other severe sequelae. In most cases, hypertensive emergencies require hospital care, often enough admission to the intensive care unit. In the absence of acute organ damage a less aggressive approach may be justified, often manageable on an out-patient basis. Isolated large blood pressure elevations can be caused by discontinuation or reduction of treatment and are often associated with anxiety. Treatment of hypertensive emergencies / urgencies depends on the severity and type of organ damage. Immediate and aggressive blood pressure lowering is required in acute pulmonary edema and in aortic dissection. In most other cases a prompt but only partial blood pressure reduction is recommended, aiming at a < 25% reduction in the first hours, followed by a cautious approach thereafter. In acute ischemic stroke, initially no blood pressure reduction or extremely cautious lowering is advised.