Palliativmedizin 2014; 15 - V74
DOI: 10.1055/s-0034-1374137

Das Medikationsmanagement im Modellvorhaben ARMIN – Ein Zukunftskonzept für die Arzneimittelversorgung („ABDA/KBV-Konzept“)

U Müller 1, D Klintworth 1, M Felberg 1, C Eickhoff 1, S Breiholz 1, M Schulz 1
  • 1ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Berlin, Deutschland

Hintergrund: Bereits heute nehmen mehr als 40% der Menschen über 65 Jahren fünf oder mehr ärztlich verordnete Arzneimittel ein – Tendenz steigend. 5% der Krankenhauseinweisungen gehen auf arzneimittelbezogene Morbidität zurück; 2/3 davon wären vermeidbar. Die Therapietreue beträgt bei Langzeittherapien 50%. Die dadurch verursachten direkten und indirekten Kosten belaufen sich in Deutschland auf mehr als 10 Mrd. EURO p.a.

Deshalb haben ABDA und KBV ein Konzept entwickelt, in dem durch eine enge Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern eine Steigerung der Qualität der Arzneimittelversorgung durch Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und der Therapietreue bei gleichzeitiger Verminderung der Gesundheitsausgaben erreicht werden sollen.

Rahmenbedingungen: Dieses Konzept wird zunächst im Rahmen des Modellvorhabens „Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen (ARMIN)“ nach §63 SGB V umgesetzt. Vertragspartner sind die Landesapothekerverbände und Kassenärztlichen Vereinigungen aus Sachsen und Thüringen und die AOK PLUS. Die fachliche Erarbeitung des Konzeptes erfolgte in sechs Arbeitsgruppen. Die Umsetzung dieses Vorhabens ist in drei Stufen (Wirkstoff-Verordnung, Medikationskatalog und Medikationsmanagement) geplant. Eine angemessene Vergütung der erbrachten Leistungen ist vorgesehen.

Medikationsmanagement: Kernstück des Vorhabens ist das Medikationsmanagement, ein Angebot für Patienten mit mindestens 5 Arzneimitteln in der Dauermedikation. Die Versorgung erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker, die auch einen regelmäßigen Datenaustausch beinhaltet. Die kontinuierliche Betreuung der Patienten beginnt mit einer Erfassung der Gesamtmedikation inkl. OTC-Medikation. Auf dieser Basis erfolgt die Optimierung der AMTS. Patienten sollen jederzeit über einen aktuellen Medikationsplan verfügen.

Ausblick: Die praktische Umsetzung dieses Vorhabens in den drei Stufen ist noch in diesem Jahr geplant, beginnend mit der Wirkstoff-Verordnung (1. Stufe) voraussichtlich zum 1.7.2014, gefolgt vom Medikationskatalog (2. Stufe) und Medikationsmanagement (3. Stufe). Eine externe unabhängige Evaluation des Konzeptes ist vertraglich vorgesehen.