Palliativmedizin 2014; 15 - PD259
DOI: 10.1055/s-0034-1374430

Inanspruchnahmeprävalenz und medizinische Versorgung von Patienten mit Psoriasis. Eine Analyse von GKV-Routinedaten der Jahre 2005 bis 2011

J Schmitt 1, L Heinrich 1
  • 1Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, TU Dresden, Dresden, Deutschland

Hintergrund: Psoriasis ist eine häufige chronisch-entzündliche Erkrankung, die vielfach mit substanziellen Alltagsproblemen verbunden ist. Die S3-Leitlinie empfiehlt bei moderater-bis-schwerer Psoriasis zunächst eine konventionelle Systemtherapie und als 2nd-Line Therapie ein Biologic.

Methodik: Basis der versorgungsepidemiologischen Studie bilden anonymisierte ambulante Routinedaten (Diagnose-, Rezept- und Leistungsdaten) der sächsischen Versicherten der AOK PLUS (ca. 2,48 Mio.; 53% weiblich) der Jahre 2005 bis 2011. Als Maßnahme der internen Diagnosevalidierung wurden Versicherte mit mindestens 2-maliger Dokumentation der Diagnose Psoriasis (ICD-10 Code L40) als Erkrankungsfälle klassifiziert. 1-Jahres-Inanspruchnahmeprävalenzen, versorgende Fachdisziplinen und Anteile an Patienten mit Systemtherapie wurden anhand deskriptiver Verfahren ermittelt.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 82.174 Versicherte (3,3%) als Psoriasisfälle klassifiziert. Bei weiteren 37.780 Versicherten (1,5%) wurde die Diagnose Psoriasis nur einmalig kodiert. Die 1-Jahres Inanspruchnahmeprävalenz der Psoriasis betrug 0,3% bei Kindern und 2,0% bei Erwachsenen. 34% der Patienten wurden ausschließlich dermatologisch, 19% ausschließlich allgemeinmedizinisch und 44% interdisziplinär versorgt. Insgesamt erhielten 32% der Psoriasispatienten mindestens einmalig eine Systemtherapie. Die fachgruppenunabhängig mit Abstand am häufigsten verschriebene Systemtherapie waren systemische Steroide (27,8% der Patienten), gefolgt von MTX (4,6%) und Fumarsäureester (3,0%). 1,3% der Patienten erhielten ein Biologic (Adalimiumab 0,7%, Etanercept 0,7%).

Fazit: Die mittels interner Diagnosevalidierung geschätzte Prävalenz der Psoriasis stimmt gut mit primärepidemiologischen Prävalenzschätzungen überein. Trotz fehlender Studienevidenz und keiner Berücksichtigung in der S3-Leitlinie werden sowohl durch Dermatologen, als auch durch Allgemeinärzte bei hohen Anteilen an Psoriasispatienten systemische Steroide verordnet.