Palliativmedizin 2014; 15 - PD294
DOI: 10.1055/s-0034-1374465

Ambulante Kodierqualität – Richtige Diagnosedokumentation des Alten Myokardinfarktes. Eine Analyse der Abrechnungsdaten der AOK PLUS

A Schramm 1, 2, J Klewer 3, J Kugler 2
  • 1AOK PLUS, Dresden, Deutschland
  • 2Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden, Dresden, Deutschland
  • 3Westsächsische Hochschule Zwickau, Zwickau, Deutschland

Hintergrund: Mit dem 2012 in Kraft getretenen Versorgungsstrukturgesetz wurde die geplante Einführung der ambulanten Kodierrichtlinien aufgehoben. Seither gibt es kein verbindliches Regelwerk zur Absicherung der Qualität der Diagnoseverschlüsselung. Wesentliche Anforderung an die Diagnosekodierung ist die vorrangige Verwendung eines gesicherten Diagnoseschlüssels gegenüber einem "Zustand nach"-Ausdruck. Ziel der Analyse war die Quantifizierung der Dokumentationspraxis eines zurückliegenden Myokardinfarktes und die Überprüfung eines Interventionseffektes durch Beratungskampagnen der AOK PLUS.

Methode: Die Auswertung wurde auf den Leistungsdaten der AOK PLUS (2,7 Mio. Vers.) für die Jahre 2009 bis 2012 durchgeführt. Diese umfassten 430 Mio. Diagnosen von ca. 11 Tsd. Vertragsärzten in Sachsen und Thüringen. Der akute Myokardinfarkt ist mit einer Diagnose I21.-G und der zurückliegende Myokardinfarkt mit I25.2-G zu verschlüsseln. Denkbar ist jedoch, dass statt I25.2-G der ICD I21.-Z für den alten Myokardinfarkt verwendet wurde.

Ergebnisse: Die Diagnose I21.-Z wurde zu 80% von Hausärzten (Facharztgruppe: 01, 02 und 03) verschlüsselt. Während 2010 4.139 Hausärzte diese Diagnose kodierten, waren es 2012 nur noch 3.317. Die Anzahl der Versicherten verringerte sich von 2010 zu 2011 um 25% und zu 2012 noch einmal um 17%. Im Gegenzug stieg die Anzahl der Versicherten mit einer I25.2-G von 2010 zu 2011 um 40% und von 2011 zu 2012 um 7%.

Schlussfolgerung: Der zurückliegende Myokardinfarkt wird aktiv mit dem ICD I21.-Z kodiert. Durch die Beratungskampagnen der AOK PLUS konnte seit 2010 eine leichte Verbesserung im Kodierverhalten erreicht werden. Vornehmlich betrifft dies Hausärzte. Im Morbi-RSA führt diese Verfahrensweise zu einer Unterrepräsentation der Kosten des zurückliegenden Myokardinfarktes und damit zu Fehlallokationen. Hausärzte sollten unter der Prämisse, dass die ambulante Kodierrichtlinie nicht eingeführt wurde, zu dieser Thematik weiter sensibilisiert werden.